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Amalie Peters geb. Halbach wurde am 1.1.1847 in Witzhelden-Schüddig geboren.
Im Jahr 1880 heiratete sie Wilhelm Albert Peters aus Herscheid.
Das Paar lebte nach der Heirat im Haus Am Markt
(ehemals Drogerie Flecke). Im Eckhaus Markt/Solinger Straße wohnte Amalie Peters.

“Die Storchentante”

Mit 30 Jahren erlernte Amalie Peters in Solingen den Beruf der Hebamme und half fortan in Witzhelden die Kinder zur Welt zu bringen. Deshalb hatte sie auch den Beinamen “Storchentante”.

Tagebuch als Taufbuch

In einer einfachen linierten Kladde, die sie zunächst als Tagebuch vorgesehen hatte, hielt sie sehr genau fest, wann sie wo welchem Kind geholfen hatte, das Licht der Welt zu erblicken. Am Rand vermerkte sie jeweils die erhaltene Vergütung als Geburtshelferin.

Als erste Eintragung ist in ihrem “Taufbuch Witzhelden”zum Jahr 1877 zu lesen:

“N.1. Otto Jansen. gbr. zu Krähwinkel bei Witzhelden am 7.Mai kam blind zur Welt, da bin ich 12.Tage in Leichlingen bei Herrn Dkr Kronenberg gewesen. Der hat das Kind behandelt und nach 10 Wochen war das Kind sehend entlassen. Er wurde getauft am 14. Julie.”Die erste Seite des Geburtenverzeichnisses.
Amalie Peters, “dat Mal”, wie sie in Witzhelden genannt wurde, erhielt für den am 14.Juli 1877 geborenen Otto Jansen 5 Taler als Bezahlung für ihre Dienste.

Aus dem Geburtenbuch geht hervor, dass sie im ersten Jahr als Hebamme 31 1/2 Taler verdient hatte. Im Jahr darauf notierte sie einen Jahresverdienst von 67 1/2 Talern. 1879 war das Jahr der Währungsreform: die Umstellung von Taler auf Mark. Amalie Peters nahm damals für ihre Hebammendienste pro Geburt zwischen 6 und 12 Mark. Als am 26. Dezember 1881 in Herscheid die Zwillinge Leo und Wilhelm Pott geboren wurden, berechnete sie lediglich 8 Mark.

Das Geburtenbuch berichtet auch von “Nothtaufen noch am selben Tage” sowie von Früh- und Fehlgeburten.
Amalie Peters war in ihrer Gemeinde, aber auch darüber hinaus, viel unterwegs. Sie marschierte, wenn ihr eine bevorstehende Geburt angezeigt wurde, durch die Wupperberge bis nach Solingen-Pfaffenberg. Sie wurde nach Opladen, zum Gladbacherhof in Immigrath und in die Leichlinger Ortschaften Oberbüscherhof und Bremersheide gerufen. Die letzte Seite des Geburtenbuches.

Brennholz als Bezahlung für die Geburtshilfe 9 Geburten in 16 Jahren.

Während der Inflationszeit, als das Geld nichts mehr wert war, ließ sie sich ihre Geburtshilfen gelegentlich auch in Lebensmitteln auszahlen. Sie nahm als Honorar sogar Brennholz oder ein Paar Schuhe in Zahlung.
Auf einem kleinen Zettel im Taufbuch hielt Amalie Peters die Geburten einer Familie noch einmal gesondert fest: von 1881 bis 1896 gab es in der Familie Adams 9 Geburten.

 

Mit 80 in den Ruhestand

Im Jahr 1927 feierte Amalie Peters ein zweifaches Jubiläum: sie wurde 80 Jahre alt und konnte auf 50 jährige Dienste als Hebamme zurückschauen.
Der preußische Minister für Volkswohlfahrt ließ der Jubilarin eine Ehrenurkunde überreichen und vom Verband deutscher Hebammen bekam sie zwei Ehrennadeln mit den Inschriften
“Zum Segen Deutscher Frauen und Kinder” und “Im Dienste der Zukunft unseres Volkes” verliehen. Das muss wohl mit ein Grund gewesen sein, dass sie im gleichen Jahr ihre Hebammentätigkeit aufgab.

Ehrennadel vom Verband Deutscher HebammenEhrennadel vom Deutschen allgemeinen Hebammen BundHebamme für 1628 Kinder

Insgesamt hat “Storchentante” Amalie Peters laut ihrem Geburtenbuch mindestens 1628 Kindern in Witzhelden und Umgebung geholfen, auf die Welt zu kommen.



Die letzte Eintragung stammt vom 14. Mai 1927: “1628. Erwin Steffens Kuhle gbr. am 14. Mai getauft am 17. Juni Krankenkasse 31 M.”

Amalie Peters starb am 13.3.1939 im gesegneten Alter von 92 Jahren.

Quellen: Taufbuch von Karlheinz Flecke zur Verfügung gestellt, Archiv Lore May, Bericht von H.W. Hinrichs in “Ein Dorf feiert - 800 Jahre Witzhelden.”

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