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 Carl Voswinkel wurde am 25.8.1820 geboren und stammte von der Kemmerhöhe, Gemeinde Klüppelberg, Kreis Wipperfürth. Er war Justiz- und Verwaltungssekretär und ledig. Er hatte als Nachfolger des ersten Bürgermeisters von Witzhelden, Gottlieb Claasen, mit dem Bürgermeisteramt der Gemeinde Witzhelden ein schweres Amt übernommen, hat aber in schwieriger Zeit die Entwickung Witzheldens entscheidend beeinflusst.

Nach Problemen mit seinem Gemeinderat empfahl Claasen dem Landrat nicht ohne Hintergedanken seinen Sekretär Carl Voswinkel zum neuen Bürgermeister vorzuschlagen: “Er ist imstande, jedem Widerstand Trotz zu bieten und ist in jeder Beziehung ein redlicher Mann.” Carl Voswinkel, Bürgermeister von Witzhelden 1875-1898
Carl Voswinkel wurde dann im Jahre 1875 zum neuen Witzheldener Bürgermeister gewählt. Er hatte dieses Amt 24 Jahre inne und war damit wie Gottlieb Claasen auch über zwei 12jährige Wahlperioden Witzheldener Bürgermeister.

Gründung des Turnvereins Witzhelden

Im Jahre 1884 war er Gründungsmitglied und 1. Vorsitzender des Turnvereins Witzhelden 1884 e.V.. Er hat somit auch die sportlichen Aktivitäten in seiner Gemeinde an vorderster Stelle unterstützt und nach vorne gebracht.

Witzheldener verlassen die Gemeinde

Carl Voswinkel war ein bescheidener Mann in einer für die Gemeinde schwierigen Zeit. Durch die industrielle Revolution in den umgebenden Städten verließen immer mehr Witzheldener ihr Dorf, um in Solingen, Remscheid oder Elberfeld Arbeit zu finden. Seit dem Jahr 1851, dem Jahr der ersten Bürgermeisterei, war die Einwohnerzahl Witzheldens nahezu konstant geblieben, ja war sogar etwas gesunken.
(1851: 2130 Einwohner, 1900: 2103 Einwohner)
Erst durch den Weiterbau der Verbindungsstraße von Glüder nach Solingen im Jahr 1895 gab es die ersten Ansätze von Verbesserungen in Witzhelden.

Wasserversorgung in Witzhelden

Zu Beginn des Bürgermeisteramtes von Carl Voswinkel wurde die Gemeinde Witzhelden ausschließlich über Brunnen mit Trinkwasser versorgt. Es gab immer wieder Probleme mit den Schöpfrechten, den Instandhaltungen der Brunnenhäuschen und vor allem der Qualität des Brunnenwassers. Der Gemeinderat unter dem Vorsitz von Carl Voswinkel hatte Jahre mit dem Problem der Wasserversorgung zu tun. Ab 1895 entstanden dann in Witzhelden die ersten Wasserversorgungsvereine und -genossenschaften, die Witzhelden über kontrollierte Leitungen mit frischem Quellwasser versorgten.
Deren Entstehung hat Carl Voswinkel maßgeblich mit beeinflusst.

Als er am 30.12.1898 in den wohlverdienten Ruhestand ging, hatte er auch im Witzheldener Ortskern durch die Gründung des Wasserversorgungsvereins Witzhelden die Wasserversorgung sichergestellt.

Amalie Peters geb. Halbach wurde am 1.1.1847 in Witzhelden-Schüddig geboren.
Im Jahr 1880 heiratete sie Wilhelm Albert Peters aus Herscheid.
Das Paar lebte nach der Heirat im Haus Am Markt
(ehemals Drogerie Flecke). Im Eckhaus Markt/Solinger Straße wohnte Amalie Peters.

“Die Storchentante”

Mit 30 Jahren erlernte Amalie Peters in Solingen den Beruf der Hebamme und half fortan in Witzhelden die Kinder zur Welt zu bringen. Deshalb hatte sie auch den Beinamen “Storchentante”.

Tagebuch als Taufbuch

In einer einfachen linierten Kladde, die sie zunächst als Tagebuch vorgesehen hatte, hielt sie sehr genau fest, wann sie wo welchem Kind geholfen hatte, das Licht der Welt zu erblicken. Am Rand vermerkte sie jeweils die erhaltene Vergütung als Geburtshelferin.

Als erste Eintragung ist in ihrem “Taufbuch Witzhelden”zum Jahr 1877 zu lesen:

“N.1. Otto Jansen. gbr. zu Krähwinkel bei Witzhelden am 7.Mai kam blind zur Welt, da bin ich 12.Tage in Leichlingen bei Herrn Dkr Kronenberg gewesen. Der hat das Kind behandelt und nach 10 Wochen war das Kind sehend entlassen. Er wurde getauft am 14. Julie.”Die erste Seite des Geburtenverzeichnisses.
Amalie Peters, “dat Mal”, wie sie in Witzhelden genannt wurde, erhielt für den am 14.Juli 1877 geborenen Otto Jansen 5 Taler als Bezahlung für ihre Dienste.

Aus dem Geburtenbuch geht hervor, dass sie im ersten Jahr als Hebamme 31 1/2 Taler verdient hatte. Im Jahr darauf notierte sie einen Jahresverdienst von 67 1/2 Talern. 1879 war das Jahr der Währungsreform: die Umstellung von Taler auf Mark. Amalie Peters nahm damals für ihre Hebammendienste pro Geburt zwischen 6 und 12 Mark. Als am 26. Dezember 1881 in Herscheid die Zwillinge Leo und Wilhelm Pott geboren wurden, berechnete sie lediglich 8 Mark.

Das Geburtenbuch berichtet auch von “Nothtaufen noch am selben Tage” sowie von Früh- und Fehlgeburten.
Amalie Peters war in ihrer Gemeinde, aber auch darüber hinaus, viel unterwegs. Sie marschierte, wenn ihr eine bevorstehende Geburt angezeigt wurde, durch die Wupperberge bis nach Solingen-Pfaffenberg. Sie wurde nach Opladen, zum Gladbacherhof in Immigrath und in die Leichlinger Ortschaften Oberbüscherhof und Bremersheide gerufen. Die letzte Seite des Geburtenbuches.

Brennholz als Bezahlung für die Geburtshilfe 9 Geburten in 16 Jahren.

Während der Inflationszeit, als das Geld nichts mehr wert war, ließ sie sich ihre Geburtshilfen gelegentlich auch in Lebensmitteln auszahlen. Sie nahm als Honorar sogar Brennholz oder ein Paar Schuhe in Zahlung.
Auf einem kleinen Zettel im Taufbuch hielt Amalie Peters die Geburten einer Familie noch einmal gesondert fest: von 1881 bis 1896 gab es in der Familie Adams 9 Geburten.

 

Mit 80 in den Ruhestand

Im Jahr 1927 feierte Amalie Peters ein zweifaches Jubiläum: sie wurde 80 Jahre alt und konnte auf 50 jährige Dienste als Hebamme zurückschauen.
Der preußische Minister für Volkswohlfahrt ließ der Jubilarin eine Ehrenurkunde überreichen und vom Verband deutscher Hebammen bekam sie zwei Ehrennadeln mit den Inschriften
“Zum Segen Deutscher Frauen und Kinder” und “Im Dienste der Zukunft unseres Volkes” verliehen. Das muss wohl mit ein Grund gewesen sein, dass sie im gleichen Jahr ihre Hebammentätigkeit aufgab.

Ehrennadel vom Verband Deutscher HebammenEhrennadel vom Deutschen allgemeinen Hebammen BundHebamme für 1628 Kinder

Insgesamt hat “Storchentante” Amalie Peters laut ihrem Geburtenbuch mindestens 1628 Kindern in Witzhelden und Umgebung geholfen, auf die Welt zu kommen.



Die letzte Eintragung stammt vom 14. Mai 1927: “1628. Erwin Steffens Kuhle gbr. am 14. Mai getauft am 17. Juni Krankenkasse 31 M.”

Amalie Peters starb am 13.3.1939 im gesegneten Alter von 92 Jahren.

Quellen: Taufbuch von Karlheinz Flecke zur Verfügung gestellt, Archiv Lore May, Bericht von H.W. Hinrichs in “Ein Dorf feiert - 800 Jahre Witzhelden.”

Julius Kocks wurde am 5.11.1857 in Hösel bei Düsseldorf geboren.

Er studierte Pädagogik und begann 1882 seine Tätigkeit als Lehrer an der einklassigen Volksschule in Witzhelden-Herscheid, die er 39 Jahre lang führte. Sein Schulbezirk bestand aus den Ortschaften Herscheid, Orth, Wolfstall, Scharweg, Raderhof, Wupperhof, Glüder, Sieferhof, Claasholz, und Oberbüscherhof.
Die Schülerzahl war selten unter 90.

Mit seiner Frau Berta wohnte er an der Hauptstraße in Witzhelden -Nüsenhöfen, gegenüber der heutigen Einmündung zum Schulweg.

Das Ehepaar hatte 4 Söhne: Walter, Eugen, Alex und Johannes (Hans).
Mit 64 Jahren schied er im Jahr 1921 aus der Lehrertätigkeit aus.

Ein engagierter Witzheldener Lehrer

 Ölbild von Julius Kocks im Alter von 68 Jahren.


 Julius Kocks war zeitlebens ein hoch geachteter und sehr aktiver Mensch, der sich in vielfältiger Weise dem Gemeinwohl verpflichtet fühlte.
 Er war von 1882-1904, also 23 Jahre lang, Chordirigent des Männergesangvereins Herscheid, zudem im Männergesangsverein Metzholz und im Kirchenchor der Evangelischen    Kirchengemeinde Witzhelden als Leiter tätig. In der Ev. Kirchengemeinde gehörte er auch lange Jahre dem Presbyterium an.
 Julius Kocks bei der Präsentation einer neuen Kleinkraftspritze des Wasserversorgungsvereins: 2. mit Stock v.r.

 Er war Mitbegründer des Turnverein Witzhelden 1884.e.V. und dessen erster Turnwart.

 Julius Kocks übernahm auch Verantwortung als Gründer und Mitarbeiter von Gemeinschaften mit sozialen Zielsetzungen, wie dem Witzheldener Leseverein, aus dem sich später  das landwirtschaftliche Kasino entwickelte.

 Weiterhin war Julius Kocks von 1906-1928 Vorsitzender der Sanitätskolonne Witzhelden des Deutschen Roten Kreuzes. Er trat mit Dr. Eduard Schwab als Kolonnenarzt die Nachfolge von Dr. Herbrand an, der seit der Gründung des DRK Witzhelden beide Ämter innehatte.

Julius Kocks im Gruppenfoto beim 50jährigen Jubiläum des MGV Herscheid im Jahre 1906. Er sitzt genau in der Mitte der ersten Reihe.

Rechts neben ihm sitzt sein Sohn Eugen Kocks.Er engagierte sich im Reservistenverein, im Wasserversorgungsverein Herscheid und im Pferdeversicherungsverein für den unteren Landkreis Solingen.

Als er am 15.12.1933 im Alter von 76 Jahren starb, war sein Sohn Eugen Kocks bereits Lehrer geworden und 1934 wurde sein Sohn Hans Kocks auch Lehrer in Witzhelden.

 

Gottlieb Claasen wurde am 13. November 1801 geboren, er starb im Jahr 1885. Verheiratet war er mit Anna Claasen, geb. Peters (1806 - 1862). Am 28.Februar 1851 wurde Witzhelden der Status einer selbstständigen Bürgermeisterei zuerkannt und an diesem  für die Gemeinde denkwürdigen Tag wählten die zwölf neu gewählten Gemeindevertreter den 49 jährigen Tuchfabrikanten und Gutsbesitzer Gottlieb Claasen zum ersten Bürgermeister des Höhendorfes. Er wurde von Landrat Mehlbeck feierlich in sein Amt eingeführt. Gottlieb Claasen war ein weitgereister Mann, der als klug und erfahren galt. Er übernahm das Amt des Bürgermeisters in schwerer Zeit. und hatte dieses Amt bis zum 1.11.1875 inne.Witzheldens erster Bürgermeister Gottlieb Claasen.
Sein Jahresgehalt als Bürgermeister betrug 207 Thaler und 3 Silbergroschen, seine Pension betrug 600 Reichsmark.

Erster Bürgermeister einer armen Gemeinde

Die Gemeinde Witzhelden litt damals unter einer großen Steuerlast. Die Arbeitslosigkeit, von der vor allem die Weber und Scherenfeiler betroffen waren, war sehr hoch. Für die Bauern war es sehr schwer, landwirtschaftliche Erzeugnisse in den umliegenden Städten zu verkaufen. Damals hatte Witzhelden 2130 Einwohner in 479 Familien, darunter 80 Bauernfamilien mit 390 Personen, 79 Knechte und Mägde sowie 45 Tagelöhner und Handwerker. Ackerbau im Nebengewerbe betrieben 534 Personen.

Gottlieb Claasen schrieb über die Lage seiner Gemeinde: “Der Wohlstand geht immer weiter zurück. Seit dem Jahre 1818 ist von keiner Behörde etwas geschehen, was den Bewohnern meiner Gemeinde zu einem materiellen Vorteil hätte helfen können. Burscheid hat alles Gewerbe an sich gezogen, weil da die neue Straße hingelegt wurde. Die Verarmung schreitet immer weiter fort. Wer 2 oder 3 Kühe hat, gilt hier als ein großer Bauer.”

Neue Verbindungsstraßen in die Nachbarstädte

Gottlieb Claasen hatte früh erkannt, dass sich die Witzheldener Lebensverhältnisse erst durch den Anschluss an das Verkehrsnetz der Nachbarstädte gravierend verbessern würden. Dann könnten neue Erwerbsquellen erschlossen, die Landwirtschaft ihre Erzeugnisse nach auswärts absetzen und die Bedarfsgüter für die Gemeinde auf kürzeren und besseren Wegen herangeschafft werden.
Durch das Fehlen der Verbindungsstraßen mussten sämtliche Güter über große Umwege und mit erheblichen Schwierigkeiten nach Witzhelden transportiert werden.

Das waren im Jahre 1866:
25 000 Zentner Kohle
  2 000 Zentner Kalk
  2 000 Zentner Baumaterialien
  6 000 Zentner Kolonialwaren
  7 000 Zentner Frucht für 11 Bäcker
  2 000 Zentner Eisen für Schmiede und Läden
  2 000 Zentner Kartoffeln und Mundprodukte

Da alle Versuche, an das Eisenbahnnetz angeschlossen zu werden und Verbindungsstraßen zu den umliegenden Orten zu bekommen, scheiterten, baute die Gemeinde im Jahr 1869 durch Hand- und Spanndienste eine eigene Straße nach Glüder. Diese wurde aber erst 1895 von der Stadt Solingen nach Solingen weitergebaut.

Abwahl mit Hindernissen

Gottlieb Claasen musste sich in Witzhelden harten Auseinandersetzungen stellen.
Wie überliefert worden ist, beantragten nach der ersten Wahlperiode von 12 Jahren vier von 12 Gemeindevertretern seine Absetzung, und nur die Furcht, dass man dann dem noch rührigen Mann ja Pension bezahlen müsste, liess ihn in die zweite Periode hineinkommen. Im Jahre 1875 bekommt das Bestreben neue Nahrung. Claasen braucht einen neuen Polizeisoldaten, er hat aber nur zwei “Subjekte” zur Verfügung, der eine ist ein Trunkenbold, der andere ein mehrfach vorbestrafter Dieb. Er setzt den zweiten ein. Als dann aber nach wenigen Wochen sein Wachsoldat selbst ins Arrestlokal kommt, ist seine Zeit als Bürgermeister vorbei.
Nicht ohne Hintergedanken empfiehlt er dem Landrat seinen Sekretär Carl Voswinkel zum neuen Bürgermeister vorzuschlagen: “Er ist imstande, jedem Widerstand Trotz zu bieten und ist in jeder Beziehung ein redlicher Mann.”

Carl Voswinkel wurde dann zum neuen Witzheldener Bürgermeister gewählt.

Gottlieb Claasen Weg

Im Jahr 2003 hat die Stadt Leichlingen durch Beschluss des Bezirksausschusses Witzhelden die Erschließungsstraße zu einem Neubaugebiet an der Hauptstraße im Ortskern von Witzhelden “Gottlieb-Claasen-Weg” benannt. Die Straße führt bis auf wenige Meter an das Grundstück der Kreissparkasse Köln heran, wo einstmals das Witzheldener Rathaus und somit die Wirkungsstätte Gottlieb Claasens stand.

Das Grab des ersten Witzheldener Bürgermeisters

  

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