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Otto Wiedenhoff wurde am 30.6.1897 und sein Bruder Leo Wiedenhoff am 10.10.1899 in Witzhelden-Flamerscheid geboren. Im Alter von 27 bzw. 25 begannen sie damit, ein Verkehrsunternehmen zu gründen und für das Höhendorf Witzhelden öffentliche Verkehrsverbindungen zu den umliegenden Städten zu schaffen.

Nur eine Postkutsche

Im Jahr 1907 gab es nur eine Postkutsche, die einmal täglich zwischen Hilgen und Witzhelden verkehrte. Die Postkutsche wurde wenige Jahre später durch zwei Pferdeomnibusse ersetzt, aber erst 1913 verkehrte zum ersten Mal ein privater Kraftomnibus auf den Strecken nach Hilgen und über Wupperhof auch nach Solingen. Im ersten Weltkrieg führte die Gemeinde Witzhelden den Betrieb in eigener Regie notdürftig weiter, bis sich 1919 wieder ein privater Unternehmer dafür fand. Doch bereits 10 Monate später wurde das Unternehmen ein Opfer der schlechten Versorgungslage.Die Postkutsche wird vom Postbus abgelöst.Länger als 3 Jahre blieb Witzhelden dann wieder ohne öffentliche Verkehrsmittel Kein Verkehrsunternehmen im Rhein-Wupper- Gebiet wagte, die
Witzheldener Linien zu befahren.
Aber in Witzhelden gab es zum Glück den sehr engagierten Bürgermeister Gustav Marquardt, der an dieser schlechten Situation etwas ändern wollte. Marquardt wusste von dem umgebauten Funkwagen, der bei den Wiedenhoffs auf dem Hof stand. Es handelte sich um ein ehemaliges Wehrmachtsfahrzeug, welches von den Brüdern Wiedenhoff zum Buttertransport vorgesehen war.

 

Personen statt Butter befördern

Im Januar 1924 suchte Marquardt die Brüder Wiedenhoff in Flamerscheid auf. Es bedurfte schon einiger Überredungskünste, um Otto und Leo Wiedenhoff davon zu überzeugen, dass sie ihre Pläne für den Buttertransport zur Seite legen und statt Butter Personen befördern sollten. Leo WiedenhoffDer erste Omnibus: Ein umgebauter Funkwagen aus dem 1.Weltkrieg.

Aber der Bürgermeister hatte Erfolg.

Witzhelden bekam wieder eine Omnibuslinie und die Brüder Wiedenhoff hatten sich von Fuhr- zu Busunternehmern gewandelt.
Versehen mit zwei Holzbänken und einigen zusätzlich eingebauten Glasscheiben startete der ehemalige Funkwagen als zehnsitziger Omnibus am 1. Februar 1924 zu seiner ersten Fahrt auf der Linie Witzhelden-Hilgen-Solingen. Die Fahrgäste saßen dicht gedrängt zwischen Körben und Kisten, aber der Bus “donnerte” mit 20 PS die Höhen des Bergischen Landes hinauf. Wurde es zu steil, mussten die Fahrgäste eben aussteigen und den Berg “per Pedes” erklimmen. Die Zuneigung zu ihrem Omnibus wurde für die Witzheldener dadurch aber nicht geringer. “Höhnerböhn” nannten sie ihn, weil es so eng und gedrängt wie im Hühnerstall in ihm zuging.


Ein Busunternehmen entsteht

Das Geschäft lief gut und die Jungunternehmer nahmen Kredite auf und investierten in ihr Busunternehmen. Bereits am 3. April 1924 schafften die Gebrüder Wiedenhoff einen nagelneuen Dixi-Omnibus an. Der neue Omnibus verkehrte zunächst dreimal täglich von Witzhelden nach Hilgen und einmal von Witzhelden nach Solingen und von dort nach Widdert. Diesem renommierten Fahrzeug mit lederbezogenen Polsterbänken, elektrischer Innen- und Außenbeleuchtung, Entlüftungsklappen, Anlasser und Sirene folgten schon sehr bald vier weitere Dixies aus der Autoschmiede Eisenach (heute BMW).
Um nun die neuen Fahrzeuge während der Standzeiten vor der Witterung zu schützen und an ihnen arbeiten zu können, begannen die Gebrüder Wiedenhoff in Witzhelden mit dem Bau einer neuen Garage. Die Brüder hatten auch auf Grund der Aufgabenteilung Erfolg. Otto Wiedenhoff war für die technischen Fragen zuständig, sein Bruder Leo trug die Verantwortung für die kaufmännischen Belange. Aber auch die anderen Wiedenhoff-Brüder waren mittlerweile im Betrieb aktiv: Alwill wurde die Reparaturwerkstatt übertragen und Kuno nahm die Kundenbetreuung wahr und leitete später die Solinger Großgarage. Der Betrieb war zu einem Familienunternehmen geworden: Gebrüder Wiedenhoff.v.l. Willi, Leo und Otto Wiedenhoff vor dem 1. Dixi 1926.

In den Jahren nach der Gründung des Unternehmens kam es den Otto und Leo Wiedenhoff zugute, dass ihnen zwei Männer zur Seite standen, die mit Erfahrung und fachlichem Können halfen, die Entwicklung des Unternehmens voranzuführen: Geschäftsführer Peters und Bürgermeister Marquardt, der nach seinem Ausscheiden aus dem Verwaltungsdienst im Jahr 1930 ebenfalls Geschäftsführer der Firma wurde.

Wirtschaftliche Probleme müssen gemeistert werden

Schon 1925 hatte das Kraftverkehrsunternehmen mit dem Bau der Garagenanlagen in Witzhelden begonnen. Diese Großinvestition der Gebrüder führte aber schon bald zur ersten ernsten Krise, denn infolge des wirtschaftlichen Niedergangs im Rheinisch-Westfälischen-Industriegebiet nahm der Verkehr immer mehr ab und das Unternehmen geriet zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten. Als in dieser Situation die Stadt Solingen die Straßenbahnlinie Solingen-Widdert eröffnete, wurde der Linienverkehr hier für die Wiedenhoff-Omnibusse völlig unrentabel, so dass der Betrieb eingestellt werden musste. Otto und Leo Wiedenhoff, Geschäftsführer Peters und Bürgermeister Marquardt versuchten, Konzessionen für andere Strecken zu erhalten. Alle Anträge wurden aber abgelehnt. Auch ein Ausweichen in den Gelegenheitsverkehr, in Postbeförderung und Schülerbringdienste brachte nur geringen Erfolg. Die Schulden drohten dem Unternehmen über den Kopf zu wachsen. Aber die Gebrüder Wiedenhoff gaben nicht auf. Ein Omnibus wurde mit Verlust verkauft, die anderen wurden gepfändet. Genauso erging es der Werkstatteinrichtung mit allen Maschinen, ja selbst den Möbeln und dem Hausrat der Firmeneigentümer. Der Konkurs stand in bedrohlicher Nähe, aber das Unternehmen überlebte auch die Folgen der Weltwirtschaftskrise 1929.

Im Jahr 1930 ging es wieder aufwärts. Bürgermeister Marquardt gelang es, die von der “Rheinbahn” in Solingen befahrenen Strecken für die Firma Gebr.Wiedenhoff zu gewinnen. Nun fuhren Wiedenhoff-Omnibusse auf den Linien Solingen-Wald-Haan, Solingen-Löhdorf-Ohligs und Solingen-Katternberg. Der Konsolidierung des Betriebes entsprach der Ausbau der Verwaltung. Marquardt hatte sein Büro in Solingen, Am Birkenweiher. Für die Omnibusse, denen die weiten Anfahrwege von Witzhelden erspart werden sollten, wurden Unterstellräume im alten Elektrizitätswerk angemietet.
Auf den grünen Omnibussen war schon seit einigen Jahren die Aufschrift “Kraftverkehr Gebr.Wiedenhoff, Solingen” zu lesen. Am 26.Februar 1936 ließ sich die Firma in das Solinger Handelsregister eintragen. Damit war ihr Geschäftssitz formell verlagert worden, der Stammsitz Witzhelden blieb aber erhalten.
Durch den Erwerb eines Teiles der Linderschen Fabrik an der Bismarckstraße entstand hier der Zweitsitz des Familienunternehmens.

Der 2.Weltkrieg stoppt weitere Pläne des Unternehmens

Um das Unternehmen auf eine möglichst breite Basis zu stellen, wurden 1938 in Solingen 5 Omnibusse für den Gelegenheitsverkehr zugelassen. Die Einrichtung eines eigenen Reisebüros, der Bau einer Tankstelle und die Zusammenarbeit mit anderen Verkehrsunternehmen förderten diese Entwicklung.
Der Ausbruch des 2.Weltkrieges 1939 stoppte die weiteren Pläne des Unternehmens abruppt. Der Gelegenheitsverkehr hörte schlagartig auf, Linien wurden stillgelegt, Zubehör und Treibstoffverkauf kamen fast völlig zum erliegen. Im Verlauf des Krieges mussten fast alle Fahrzeuge für Kriegszwecke abgegeben werden. Dabei wurden 8 Omnibusse zerstört, 6 weitere bis zur Schrottreife strapaziert.

Luftangriff auf Solingen zerstört Anlagen an der Bismarckstraße


Der Luftangriff auf Solingens Südstadt am 4.November 1944 zerstörte die Anlagen an der Bismarckstraße nahezu vollständig. Nach dieser Katastrophe zogen sich die Brüder auf den Witzheldener Besitz zurück. Dort staute sich in den Hallen das Material und dort standen die wenigen übrig gebliebenen Wagen.
Während der letzten Kriegsmonate begann das Räumen von Trümmern und Schutt in den Solinger Betriebsanlagen. Inmittelbar nach Kriegsende wurde mit dem Wiederaufbau begonnen und schon im Frühjahr 1946 konnten zwei Hallen, einige Garagen und Büroräume wieder genutzt werden. !947 musste der gesamte Solinger Betrieb an die Besatzungsmacht abgegeben werden. Diese gab ihn erst ab 1949 nach und nach an die Eigentümer zurück.

Von Witzhelden aus gelingt der Wiederaufbau

Die Witzheldener Anlagen waren vom Krieg weitgehend verschont geblieben. Von hier aus konnte der Wiederaufbau gesteuert und die Geschäftsentwicklung neu in Gang gesetzt werden. Die meisten alten Mitarbeiter waren aus Krieg oder Gefangenschaft zurückgekehrt. So konnte die Familie Wiedenhoff, damals waren vier Brüder, zwei Neffen und mehrere entfernte Verwandte im Unternehmen tätig, den Wiederaufbau vorantreiben.
In einem Rückblick auf die ersten 25 Jahre des Bestehens der Firma konnte festgestellt werden: “Treten nicht unvorhergesehene Ereignisse ein, ist der Bestand der Firma gesichert.”
In den Jahren nach der Währungsreform begann die Wiederbelebung der Firma. 1950 fuhren schon wieder 16 Wiedenhoff-Busse auf den Straßen des Bergischen Landes. Auch der Ausbau zum Reiseunternehmen nahm Fahrt auf. Die erste große Fahrt nach dem Krieg führte 1951 mit drei Omnibussen nach Österreich.

Otto und Leo Wiedenhoff sterben beide im Jahr 1953

Die Witzheldener Garagenanlage im Jahre 1954.

Den Firmengründern Otto und Leo Wiedenhoff war es trotz ihres frühen Ablebens vergönnt, die ersten Erfolge des Wiederaufbaus noch miterleben zu dürfen. Als beide im Jahr 1953 starben, Otto am 3.2. und sein Bruder Leo am 27.11.1953, waren nicht nur die Spuren des Krieges in ihrem Unternehmen ausgelöscht. Die Firma war auf einem guten Weg.

Die Kinder Helmut Wiedenhoff (Sohn von Otto) und Inge Knecht, geb.Wiedenhoff (Tochter von Leo) führten das Unternehmen in Familientradition weiter. Seit Mitte der 90er Jahre führen die Enkelkinder das Unternehmen, das mittlerweile über 100 Mitarbeiter beschäftigt und über 40 Linien-und Reisebusse im Einsatz hat. Der Standort Witzhelden hat sich jedoch zwischenzeitlich nach Burscheid-Hilgen, Heide, verlagert. Dort entstand ein komplett neues Betriebsgebäude mit vielen technischen Erneuerungen. Der Standort Solingen, Bismarkstrasse, ist weiterhin aktuell. Mittlerweile blickt die Fa. Gebr. Wiedenhoff auf ein 90zig-jähriges Bestehen zurück.  


Quellen: Jubiläumsschriften zum 50- und 75jährigen Bestehen der
Firma Gebr.Wiedenhoff

 

 

 

Gustav Marquardt stammte aus Leichlingen und wurde im Jahr 1907 zum neuen Witzheldener Bürgermeister gewählt. Er war ein Mann der Tat und sah, dass die Verkehrsanbindung Witzheldens an die umliegenden Städte der Kern zur wirtschaftlichen Gesundung der Gemeinde war. Die Modernisierung des Straßennetzes, die er auch gegen Widerstände in der Bevölkerung betrieb, reichte ihm aber nicht aus.

Marquardt ist Mitbegründer des Busunternehmens Wiedenhoff

Zu Beginn seiner Amtszeit, im Jahr 1907 gab es nur eine Postkutsche, die einmal täglich zwischen Hilgen und Witzhelden verkehrte. Erst 1913 verkehrte zum ersten Mal ein privater Kraftomnibus auf den Strecken nach Hilgen und über Wupperhof auch nach Solingen. Im ersten Weltkrieg führte die Gemeinde Witzhelden den Betrieb in eigener Regie notdürftig weiter, bis sich 1919 wieder ein privater Unternehmer dafür fand. Doch bereits 10 Monate später wurde das Unternehmen ein Opfer der schlechten Versorgungslage.Der erste Omnibus: Ein umgebauter Funkwagen aus dem 1.Weltkrieg.
Marquardts Ziel war es natürlich, an dieser Situation etwas zu ändern. Er wusste von dem umgebauten Funkwagen, der bei den Wiedenhoffs in Flamerscheid auf dem Hof stand. Es handelte sich um ein ehemaliges Wehrmachtsfahrzeug, welches von den Brüdern zum Buttertransport vorgesehen war.
Im Januar 1924 suchte Marquardt die Brüder Wiedenhoff in Flamerscheid auf. Es bedurfte schon einiger Überredungskünste, um Otto und Leo Wiedenhoff davon zu überzeugen, dass sie ihre Pläne für den Buttertransport zur Seite legen und statt Butter Personen befördern sollten.
Aber der Bürgermeister hatte Erfolg.
Witzhelden bekam wieder eine Omnibuslinie und die Brüder Wiedenhoff hatten sich von Fuhr- zu Busunternehmern gewandelt.

Immer wenn das Busunternehmen Gebrüder Wiedenhoff wegen Streckenstilllegungen in Schwierigkeiten geriet, war Marquardt zur Stelle und setzte sich für die junge Firma ein. Die Bindung zur Firma war schließlich so eng geworden, dass er nach seinem Ausscheiden aus dem Verwaltungsdienst im Jahr 1930, Geschäftsführer wurde. Ihm gelang es dann auch, neue Konzessionen des Busunternehmens für neue Strecken zu erhalten.

Ein seltenes Fotodokument: Der Witzheldener Bürgermeister im Kreise der Kollegen aus den Städten des Landkreises Solingen

Die Bürgermeister des Kreises im Jahre 1913
Von l. vordere Reihe: Pohlig (Höhscheid), Bartlau (Gräfrath), Dr.Lucas (Landrat), Heinrich (Wald), Schmidt (Burscheid), Pauly (Wiesdorf), Krischer (Monheim), Dr.Sürder (Schlebusch); hintere Reihe v.l.: Dr.Müller (Hitdorf), Klein (Leichlingen), Czettritz (Ohligs), Schröder (Neukirchen), Bellefontaine (Opladen), Marquardt (Witzhelden), Metzmacher (Langenfeld)

Gustav Marquardt bleibt als Bürgermeister in Erinnerung, weil er es geschafft hat, die Verkehrsanbindung seiner Gemeinde entscheidend zu verbessern.
Es gab aber auch noch andere Aktivitäten des Bürgermeisters:

Hundesteuer abgelehnt

Die Geschichte des Rüden, der seinem Herzog im Tal der Wupper das Leben gerettet hat, ist bekannt.

Der Widderter Verkehrs- und Verschönerungsverein hatte nun im Jahr 1927 beschlossen, dem Rüden am Ausgang des Herzbachtales ein Denkmal zu setzen. Weil aber der Verein die Kosten nicht allein tragen konnte, sollten die Gemeinden Leichlingen, Höhscheid und Witzhelden gebeten werden, einen Geldbetrag zu leisten. Bürgermeister Marquardt brachte die Bittschrift vor den Gemeinderat. Dort ging es wie so oft hoch her. Ein Vertreter des Gemeinderats ergriff das Wort: ”Ich halte dafür, daß wir in Witzhelden schon lange auf dem Hund sind, ohne noch für den Hund zu spenden!” Der Bürgermeister versuchte durch seine Glocke das brüllende Gelächter zu stoppen. Es kam zur Abstimmung: Der Rat stimmte mehrheitlich gegen den Antrag, er wollte keine “Hundesteuer”.
Der Rüdenstein wurde aber auch ohne die “Hundesteuer” der Witzheldener am Fuß des Klippenberges erbaut.

 

wurde am 3.4.1893 in Witzhelden geboren. Er verstarb am 4.5.1963 in seinem Geburtsort. Am 28.1.1919 heiratete er Amalie Gertraude Schönau, geb.29.11.1899 in Duisburg, gestorben 27.5.1964 in Witzhelden. Der Ehe entstammten zwei Kinder, Rudolf und Mia. August Weltersbach arbeitete als Landwirt und Molkereibesitzer in Eichen. Später betrieb er auch noch eine Gastwirtschaft in Metzholz. Im Jahr 1940 kaufte er die “Wersbacher Mühle” und baute sie 1952 zum Ausflugslokal um.

August Weltersbach, ein engagierter Sozialdemokrat, gehörte dem ersten gewählten Gemeinderat nach dem 2.Weltkrieg an (Wahl am 15.9.1948) Er wurde am 17.11.1949 zum Witzheldener Bürgermeister gewählt und bekleidete dieses Amt bis zu seinem Tod im Jahre 1963.
Auch im Kreistag des damaligen Rhein -Wupper-Kreises vertrat der Bürgermeister selbst die Interessen seiner Gemeinde.

August Weltersbach war ein Bürgermeister, der sich mit all seiner Kraft und all seinem Einfluss für seine Gemeinde einsetzte. Dies dokumentierte er auch beim Erntedankfest, dem höchsten Fest in Witzhelden. Beim Umzug ritt er stets hoch zu Ross voran. Später, als seine Gesundheit dies nicht mehr zuließ, führte er den Festzug auf einem Unimog sitzend an.

Als Bürgermeister hatte August Weltersbach ständigen Streit mit dem Landwirt und Fischzüchter Richard Claasen (“de Claasen Rich”), der häufig eine andere Meinung vertrat.

Anlässlich eines Preisausschreibens zur 800 Jahr-Feier der Gemeinde Witzhelden im Jahre 1984, wurde der Fernsehturm auf den Namen “Äu” (Kurzform von August) und der Richtfunkturm auf den Namen “Rich” (Kurzform von Richard) getauft

 

 


Rechtes Foto: August Weltersbach “hoch zu Ross” beim Erntedank-Festzug.


Der langjährige Leichlinger Bürgermeister Walter Schüller erzählt gerne einige Anekdoten und Geschichten über August Weltersbach, so auch die folgende:

Eingemeindung von Leichlingen

August Weltersbach war als Witzheldener Bürgermeister stets bestrebt, sich für seine Gemeinde einzusetzen und auch das Gemeindegebiet zu vergrößern.
Durch die Randlage am Witzheldener Gemeindegebiet begründet und auch raditionell war die Verbindung der Oberleichlinger Ortschaften Metzholz, Unter- und Oberbüscherhof eher nach Witzhelden, denn nach Leichlingen ausgerichtet. So machte es für den Witzheldener Bürgermeister Sinn, über die Ausweitung seines Gemeindegebietes nachzudenken. Zudem besaß er ja eine Gastwirtschaft in Metzholz, die auf Leichlinger Gebiet direkt an der “Grenzstraße” lag
Walter Schüller war hier natürlich anderer Meinung, aber in einem späteren Gespräch kam August Weltersbach wieder einmal auf dieses Thema zu sprechen, allerdings unter einem etwas erweiterten Blickwinkel. Er war der Meinung, wenn man Witzhelden schon nicht vergrößern konnte, sollten Witzhelden und Leichlingen sich doch zusammen schließen Natürlich machte er sich auch Gedanken über den gemeinsamen Namen nach dem Zusammenschluss. Originalton August Weltersbach:”Witzhelden und Leichlingen, - da lassen wir die Helden und die Leichen mal weg, und dann haben wir den richtigen Namen für die neue Gemeinde: “Witzlingen.”

Der ewige Streit der Witzheldener Originale August Weltersbach und Richard Claasen ist schon erwähnt worden. Hier ist eine weitere Anekdote über die beiden Streithähne:August Weltersbach

“ Dem größten Wilddieb aller Zeiten”

August Weltersbach und Richard Claasen waren Witzheldener Honoratioren und Schlitzohren zugleich. Beide betrieben eine Landwirtschaft und beide waren auch passionierte Jäger. Diesem Hobby frönend kamen sie sich mehrfach bei der Jagd ins Gehege. Als nun der Jagdstreit wieder einmal voll entbrannt war, ergab es sich, dass Richard Claasen wenige Tage darauf sein Wiegenfest feierte. Er erhielt von August Weltersbach, der ihm ansonsten keine Geschenke machte, eine Geburtstagstorte ins Haus geschickt. Die Torte trug in Marzipanguss die Inschrift: “Dem größten Wilddieb aller Zeiten”.

Linkes Foto: August Weltersbach beim Erntedank-Festzug 1957. Rechts zu Fuß: Richard Claasen

Johann Wilhelm Wilms wurde am 30. März des Jahres 1772 in Witzhelden getauft. Sein exaktes Geburtsdatum ist nicht mehr zu ermitteln, dürfte aber, damaligem Brauch entsprechend, etwa 1-6 Tage vorher liegen.
Sein Vater Johann Wilms starb im Alter von 63 Jahren und war dreimal verheiratet. Seine ersten beiden Frauen verstarben im Wochenbett. Wahrscheinlich 13 Kinder, deren neuntes Johann Wilhelm war, wurden in diesen drei Ehen in Witzhelden geboren. Verlässliche Zahlen sind allerdings nicht überliefert. Unklar ist auch, wie viele Geschwister das Kindesalter überlebt haben. Der Anteil dürfte jedoch kaum höher als bei 50 % gelegen haben. Für uns ist heute beides nahezu unvorstellbar, sowohl die hohe Kinderzahl, als auch die ständige Präsenz des Todes

Eine schwere Kindheit

Johann Wilhelm entstammte der zweiten Ehe des Vaters, der Ehe mit Christina geb. Braches. Er verlor seine Mutter allerdings bereits im Alter von vier Jahren bei der Geburt eines weiteren Geschwisterkindes. Man muss annehmen, dass die Zeit seiner Kindheit nicht leicht und sorgenfrei gewesen ist, haben doch alle Kinder sicherlich mit zum Lebensunterhalt beitragen und den Vater bei seinen vielfältigen Verpflichtungen in der evangelisch-lutherischen Gemeinde als “Opfermann”, Schuldiener und Organist unterstützen müssen.
Das Geburtshaus von Johann Wilhelm Wilms Ende des 19. Jahrhunderts.
Er war zu täglich 7 Stunden Schulunterricht, zu allen Küsterdiensten in der Kirche, zum Orgeldienst daselbst und zum Eintreiben der Naturalrenten für den Pastor und sich verpflichtet. Wie wenig ideelle und vor allem materielle Anerkennung mit diesem Amte verbunden war, erkennt man unschwer an dem umstand, dass die Familie gezwungen war , zur Sicherung selbst eines bescheidenen Lebensunterhalts obendrein noch einen Kramladen zu führen.Erinnerungstafel am Geburtshaus in Witzhelden, heute Am Markt 22.

Das Geburtshaus von Johann Wilhelm Wilms Ende des 19. Jahrhunderts.
In diesem Haus befand sich die alte Dorfschule von Witzhelden.
Im Jahre 1686 kaufte die Kirchen- gemeinde dieses Anwesen von dem Ackermann Johann Peter Tesche für 237 Reichstaler.
Wie Wilms`Vater, so hatten auch die anderen Lehrer dieser Schule einige Nebenämter wie Küster und Landwirt.


Musikalische Ausbildung durch Vater und Bruder

Wenn man all dies weiß, muss es umso mehr verwundern, dass für den lange Zeit allein erziehenden Vater noch Zeit blieb, die musikalische Ausbildung zumindest zwei seiner Kinder selbst vorzunehmen. Ja, darüber hinaus wird sogar von täglichen Musizierstunden im Schulhaus berichtet. Johann Wilhelm und sein älterer Bruder Peter Johann sind von ihrem Vater in den Fächern Musiktheorie und Klavierspiel immerhin so weitgehend unterwiesen worden, dass sie als Musiklehrer und Organist ihren Beruf ausüben konnten.Späterhin wird auch der ältere Peter Johann, der schon in jungen Jahren als Organist und Lehrer in Elberfeld ansässig wurde, an der Ausbildung seines Bruders Johann Wilhelm mit beteiligt gewesen sein und so den Unterricht des Vaters und die ergänzenden theoretischen Unterweisungen des örtlichen Dorfpfarrers begleitet haben.

Als Jugendlicher verlässt er WitzheldenZeichnung des Geburtshauses von Johann Wilhelm Wilms, die alte Schule des Kirchspiels Witzhelden 1686 - 1840

Der genaue Zeitpunkt, zu dem Johann Wilhelm, noch als Jugendlicher, Witzhelden verließ, um sich zunächst in Lüttringhausen als Privatmusiklehrer niederzulassen, ist nicht bekannt. Der frühere Witzheldener Pfarrer und väterliche Freund war dorthin berufen worden und hat wahrscheinlich seine Entscheidung, das elterliche Schulhaus zu verlassen, beeinflusst. Wilms muss sich jedoch schon recht bald entschlossen haben, seinem Bruder Peter Johann nach Elberfeld zu folgen.
Im Vergleich zu Witzhelden mit seinen damals ca. 900 Bewohnern wird Wilms Elberfeld mit insgesamt 20.000 Einwohnern großstädtisch vorgekommen sein und wohl auch falsche Erwartungen in ihm geweckt haben, was seine Entwicklungsmöglichkeiten als Musiker betrifft. Immerhin hatte er Gelegenheit, sich dort neben seiner Klavierlehrertätigkeit in den Fächern Querflöte und Komposition zu vervollkommnen.

 

Aufbruch nach Amsterdam

Ein ausgeprägtes Musikleben mit Konzertveranstaltungen und Möglichkeiten zu geistigem Austausch mit anderen Künstlern suchte Wilms hier allerdings vergebens. Öffentliches Musikleben war, soweit überhaupt vorhanden, kirchlich dominiert, darüber hinaus gehendes freies künstlerisches Schaffen als emanzipathorisch von der Obrigkeit verpönt. Allein in einzelnen aufgeschlossenen Bürgerhäusern wurde Kammermusik gepflegt und Wilms die Gelegenheit gegeben, als Klavierlehrer ein bescheidenes Auskommen zu finden.
Dies kann Wilms als Lebensperspektive nichtgenügt haben, so dass er im Frühsommer des Jahres 1791 nach Amsterdam aufbrach. Seine Wahl fiel keineswegs zufällig auf Amsterdam, bestanden doch zu dieser Zeit vielfältigste Beziehungen zwischen dem Bergischen Land und den Niederlanden. Etliche Gelehrte, Künstler und zahlreiche Kaufleute waren bereits vor Wilms dorthin ausgewandert. Dies hat zu einem regen Handelsaustausch zwischen den beiden Regionen geführt. Deshalb war seine Reise offensichtlich gut vorbereitet und die Risiken durch Empfehlungen und Ratschläge Elberfelder Freunde gemindert.

Heirat und Familiengründung

In Amsterdam angekommen, fand Wilms sich bald in den Zirkeln angesehener Komponisten und Musiker zurecht und verstand es, sich als Flötist in verschiedenen Orchestern, als Klaviersolist und als Lehrer ambitionierter Studenten einen Namen zu machen. Diese rasche Anerkennung und seine zunehmenden Erfolge als Komponist veranlassten ihn schon nach kurzer Zeit, sich endgültig hier niederzulassen. 1805, im Alter von 33 Jahren, heiratete er seine vierzehn Jahre jüngere Klavierschülerin Nicoletta Theodora Versteegh (aus der Heiratsurkunde im Archuv der Stadt Amsterdam ist interessanter Weise zu entnehmen, dass vermutlich falsche Angaben gemacht wurden, um den großen Altersunterschied um drei Jahre zu verringern). Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor. Eines verstarb bereits im Alter von zwei Jahren. Seine Frau Nicoletta starb im Jahr 1821, also lange vor ihrem um vieles älteren Mann

Trio für Klavier, Violine und Violoncello - Deckblatt des erstdrucks 1799.


Gesellschaftliche Anerkennung

Wilms hohe gesellschaftliche Anerkennung dokumentiert sich in seiner Zugehörigkeit zu verschiedenen Institutionen des öffentlich kulturellen Lebens der Niederlande. So wurde er in das Koninklijk Instituut van Wetenschappen, Letterkunde en Schoone Kunsten (Königliches Institut der Wissenschaften, Literatur und Schönen Künste) berufen. Darüber hinaus war er in der Maatschappij tot Nut van`t Algemeen (Gesellschaft zum Nutzen der Allgemeinheit) und in der Maatschappij tot bevordering der Tonkunst (Gesellschaft zur Förderung der Tonkunst) tätig.
Trotz hoher gesellschaftlicher Wertschätzung müssen Wilms die Grenzen seiner Einflußmöglichkeiten an einem ihm besonders am Herzen liegenden Projekt schmerzlich bewußt geworden sein. Mit seinen Kollegen Fodor, De Vos und Den Tex war er lange bemüht, ein Amsterdamer Konservatorium nach dem Vorbild des Berühmten Pariser Conservatoire zu gründen.
Die Lehrpläne waren bereits ausgearbeitet, die erforderlichen Stellenbesetzungen begründet und die Organisationsstruktur, durchaus vergleichbar unseren heutigen Instituten mit kollegialen Leitungsgremien, vorbereitet. Leider wurde dieser zukunftsweisende Plan in politischen Auseinandersetzungen zerredet.Als Ergebnis wurde schließlich eine kümmerliche kleine Musikschule gegründet, die mit den ursprünglichen Ideen eines beispielhaften Ausbildungsinstituts nichts mehr gemein hatte. Das von Wilms intendierte Institut wird erst viel später, in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts gegründet. Woher die Idee und erste Initiative hierzu stammte, dessen ist man sich zu dieser Zeit allerdings nicht mehr bewußt.
Ebenfalls vergeblich, versuchte Wilms europaweit, oder doch zumindest in den Niederlanden, einen gemeinsamen Stimmton für die Orchester einzuführen. Es wird berichtet, daß nicht einmal in einer Stadt, geschweige denn zwischen entfernt liegenden Orten - in Amsterdam stimmen die Orchester etwa 1/2 Ton höher ein als in Paris - Einigkeit zu erzielen war. Da auch heute, 150 Jahre später, über diese Frage weiterhin Dissens besteht, kann das diesbezügliche Scheitern Wilmsscher Bemühungen allerdings nicht verwundern.`Neerlands Volkslied`, die Niederländische Nationalhymne.

Komponist der Niederländischen Nationalhymne

Großes Ansehen, sogar über die Grenzen der Niederlande hinaus, genoss Wilms vor allem aufgrund seines kompositorischen Schaffens. Bekannte Amsterdamer Orchester führten seine Werke auf und für seine Sinfonie in d-Moll wurde er mit einem internationalen Preis ausgezeichnet.
Sein Lied “Wien Neerlandsch Bloed” wurde gar zur inoffiziellen Nationalhymne - wohlgemerkt, komponiert von einem deutschen Einwanderer.
Alle diese aüßeren Ehrungen und Erfolge täuschen allerdings nur wenig darüber hinweg, dass er weiterhin mit harter täglicher Arbeit als Lehrer, Orchesterflötist und der Erledigung oft ungeliebter Kompositionsaufträge sein Brot verdienen musste. “Ich bin nur ein armer musikalischer Tagelöhner”, urteilte er einmal über sich selbst.

Wilms stirbt am 19.Juli 1847

Vermutlich war es diese Erkenntnis, oder auch die Erfahrung persönlichen Leids durch den Tod seiner Frau und eines Kindes, die ihn veranlasste, sich mehr und mehr aus dem öffentlichen Leben zurück zu ziehen und bei passender Gelegenheit eine Stellung in der Mennonitischen Gemeinde “Het Lam” anzunehmen . Dort wirkte er vom Jahr 1823 an als Gemeindeorganist. Nach über zwanzigjähriger Tätigkeit, im Alter von 73 Jahren, bat er aus Krankheitsgründen um den Abschied in den Ruhestand. In Ermangelung eines geeigneten Nachfolgers wurde ihm dieser allerdings erst ein Jahr später gewährt. Sein Augenlicht war inzwischen nahezu erloschen. Er verstarb in seiner Wahlheimat Amsterdam am 19.Juli 1847 an Altersschwäche. Johann Wilhelm Wilms ist also in den letzten Jahren seines Lebens wieder zum Beruf seiner Vorfahren, ins Organistenamt zurück gekehrt, ob er allerdings jemals seine alte Heimatgemeinde Witzhelden im Bergischen Land wieder aufgesucht hat, ist ungewiss. Belege hierüber finden sich nicht. Er ist nicht verarmt und unbekannt verstorben, wie es das Schicksal manch anderen Tonsetzers gewesen ist. Doch der Zeitgeschmack hatte sich an ihm vorbei weiter entwickelt, so dass er zum Ende seines Lebens nurmehr als der, wie es in einer zeitgenössischen Quelle heißt, “Komponist van het Volkslied (gemeint ist `Wien Neerlandsch Bloed`) te regt beroemde Wilms” (Komponist des Volksliedes zu recht berühmte Wilms) der jüngeren Generation bekannt war.Partiturseite mit Wilms`Handschrift.

Das kompositorische Werk

Das kompositorische Gesamtwerk Wilms`kann man getrost als umfangreich bezeichnen, zumal das Komponieren nie sein hauptsächlicher Broterwerb gewesen und meist auftragsgebunden und unter Zeitdruck stattfand. Wilms selber bezeichnete seine Werke als “lediglich die Früchte der Stunden, die ihm nach seinen vielfältigen und ermüdenden täglichen Arbeiten übrig blieben.”Diese Äußerung entspricht ganz Wilmsscher Bescheidenheit und läßt nicht die tatsächliche Vielfalt seines Schaffens erahnen.

Es umfasst mindestens 22 Kantaten für Soli, Chor und Orchester, - allesamt Gelegenheitswerke und Auftragskompositionen, die anläßlich verschiedenster Feierstunden oder Gedenkfeiern aufgeführt wurden. Einen sehr breiten Raum im Werkverzeichnis nehmen auch die Lieder und Gesänge, vorwiegend mit vaterländisch niederländischen Texten in verschiedener Besetzung, ein. 34 Veröffentlichungen mit oft mehreren Titeln sind hier belegt.

Insgesamt noch umfangreicher ist der Bereich der Instrumentalmusik in Wilms` Schaffen. Allein sieben Sinfonien entstanden in der Zeit von 1801 bis 1836, in denen Wilms einen durchaus eigenständigen Umgang mit den Vorbildern seiner Zeit beweist und persönlichen Stil entwickelt, der ihn vom Makel der zweckgebundenen Gelegenheitskantaten befreit.

 

 

 



Quelle: Heft der Veranstaltungsreihe “Leichlinger Köpfe und Charaktere” der Stadtsparkasse Leichlingen vom November 1995

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