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Wenn man heute Witzheldener Jugendliche nach der “Kaiserhalle” befragt, wird es wohl oft ein staunendes Kopfschütteln geben. Das ist nicht verwunderlich, denn die Kaiserhalle als Gaststätte gibt es nicht mehr. Umso wichtiger ist es, an dieses prägende Gebäude in Witzhelden zu erinnern, denn es hat eine Geschichte zu erzählen...

Die Geschichte der Gaststätte „Zur Kaiserhalle“ in Witzhelden

Von Karin Unshelm

Man könnte meinen, der Gasthof „Zur Kaiserhalle“ ist ein Gasthof in Witzhelden wie andere auch, aber die Kaiserhalle ist eng mit der Witzheldener Bevölkerung verbunden. Zum Ausdruck gebracht wurde dies ganz deutlich beim tragischen Ende der Traditionsgaststätte am 1. Juli 1994.

Ein verheerender Brand vernichtete in Kürze, was Generationen zuvor aufgebaut hatten und viele Bürger standen tief bewegt vor den Trümmern, keine Gaffer wie sonst üblich, sondern Menschen, die, man kann sagen, so etwas wie Abschied nahmen.

Baubeginn im Jahr 1878

Begonnen hat es mit dem Antrag auf Bauerlaubnis am 29. Januar 1878. Der Besitzer der Parzelle Flur 8 Nr. 437 und Nr. 443, C. Aug. Schmidt, stellt bei der Gemeinde folgenden Antrag auf Bauerlaubnis:

Bauantrag„Witzhelden, den 29. Januar 1878

Herrn
Bürgermeister Voswinkel
Wohlgeboren
Hierselbst

Da ich beabsichtige auf meinem Hofraum respektive Hausgarten, Flur 8 Nr. 436 und dem von Gottfried Pulvermacher erworbenen Parzelle Flur 8 Nr. 437 und Nr. 443 im Laufe dieses Jahres ein Tanzlokal incl. Wohngebäude zu errichten von 30,20 m Frontlänge 14,13 m Giebelbreite, die Höhe der Etage des Wohngebäudes beträgt 3 mtr. 70, des Tanzlokales 5,35 m. In der Wohnung befinden sich 7 Zimmer und der Hausflur.
Der Bau wird in Holzfachwerk ausgeführt und mit Schwemmsteinen ausgefüllt, das Dach wird mit Ziegeln gedeckt. Ich reiche hiermit Bau und Situationsplan ein und bitte Euer Wohlgeboren um die erforderliche Erlaubnis und zeichne mit

Hochachtung
C.Aug. Schmidt“

 

Nur einen Tag später, am 30. Januar 1878 erhielt Herr Schmidt von Bürgermeister Vosswinkel die Genehmigung:

„Akte Nr. 347:
30.1.1878, Nr. 98

Antrag des C. Aug. Schmidt zur Erteilung der Bauerlaubnis eines Tanzsaales und Wohngebäude.
Witzhelden, den 30. Jan. 1878
Bürgermeister an den Antragsteller unter Wiederanschluß eines Exemplars des Situations- und Bauplans, sowie der nebigen Beschreibung mit dem Bemerken zurück, dass die nachgesuchte Erlaubnis zu dem beabsichtigten Neubau eines Wohnhauses mit Tanzsaal in den Grenzen der angegebenen Dimensionen unter Vorbehalt der Rechte dritter hiermit erteilt wird.
Diese Erlaubnis verliert ihre Gültigkeit, wenn innerhalb Jahresfrist mit der Bauausführung nicht begonnen wird.

Der Bürgermeister
Voswinkel“

Noch im gleichen Jahr wurde die Baumaßnahme begonnen und abgeschlossen. Die Eröffnung der Gaststätte „Zur Kaiserhalle“ fand statt.

Das Vereinslokal des Turnvereins

Das Lokal wurde von der Bevölkerung gut angenommen und einige Jahre später, 1884, gründeten einige Witzheldener Bürger unter Regie des Lehrers Julius Kocks den Witzheldener Turnverein. Man folgte der Turnbewegung des Turnvaters Jahn. In den Statuten heißt es unter § 1:

„Der Zweck des Witzheldener Turnvereins soll der sein; durch körperliche Übungen und freie Unterhaltungen in Versammlungen ein gesellschaftliches Zusammenhalten der Mitglieder zu fördern und sie körperlich und geistig tüchtig zu machen. „

Das Interesse an den sportlichen Aktivitäten schien in Witzhelden sehr groß zu sein, wenn man bedenkt, dass die damalige Einwohnerzahl bei ca. 2000 lag und hiervon 83 Bürger als Gründungsmitglieder die Statuten unterschrieben.

Als Vereinslokal wurde die Kaiserhalle benannt. Im Saal fanden die regelmäßigen Turnabende statt. Die Gerätschaften wurden dort aufgehoben und die Vereinsfahnen hingen in der Kaiserhalle. Nach den Leibesübungen ging man nach nebenan in den Gastraum und pflegte bei einem oder mehreren Bieren den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Schauturnen in der Kaiserhalle

Ein Plakat vom 3. November 1888 zeigt, dass das Können der Turner auch der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Es fand ein Schauturnen in der Kaiserhalle statt, zu dem die Bevölkerung bei freiem Eintritt eingeladen wurde.

Bei dörflichen Festen war die Kaiserhalle ein fester Bestandteil, so fand u.a. am 21.August 1898 ein Stiftungsfest des Turnvereins und am 15. Juni 1900 ein Konzert zur Finanzierung der Kirchenorgel statt.

Anfang des 20. Jahrhunderts erweitert C. Aug. Schmidt die Kaiserhalle um eine Kegelbahn. Es muss aber kurz danach zu einem Besitzerwechsel gekommen sein, denn in alten Bauunterlagen findet sich ein Baugesuch einer Abort-Pissoir-Anlage für die Gaststätte im Namen von Herrn Walter Willing, dokumentiert auf den 8. Januar 1909. Im Jahre 1913 wirbt Walter Willing in einer Anzeige mit dem größten Saal am Platz und damit, dass sein Haus das Vereinslokal des Turnvereins Witzhelden ist.

In den Kriegsjahren 1914-1918 brechen für das Dorf Witzhelden schwere Zeiten an, auch rund um die Kaiserhalle gibt es leider keine Aufzeichnungen, erst im Jahre 1926 ist vermerkt, dass die Ehefrau Walter Willing verwitwet ist und in zweiter Ehe einen Herrn Böhm heiratet.

Der neue Besitzer ist dem Turnleben der Gemeinde wohl nicht gut gesonnen. Der Turnverein sucht sich eine neue Bleibe. Scheinbar hatte aber diese Entscheidung keinen guten Einfluss auf das Geschäftsleben der Eheleute Böhm, denn sie verkauften bereits 1927 die Gaststätte an die Eheleute Hermann und Anna Unshelm, geborene Blasberg.

Wirtin “Tante Anna”

Anna Unshelm, genannt „Tante Anna“ sorgte als Wirtin der Kaiserhalle für eine familiäre Atmosphäre. „Tante Anna“ war eine resolute Geschäftsfrau, aber war gleichzeitig herzlich, freundlich und bei allen sehr beliebt.Und so kam auch der Turnverein wieder in die Dorfmitte zurück, ab 1928 war die Kaiserhalle wieder Vereinslokal.

Die Kaiserhalle entwickelte sich auch mehr und mehr zu einem beliebten Ausflugslokal, wie z.B. bei der Karfreitagstour 1929 des Schwimmsportvereins Solingen 02. Sie wurden von Anna und Hermann Unshelm mit einem kräftigen Erbsenessen bewirtet. Besonders willkommen waren Wandergruppen, die sich einfanden, um die Bergische Kaffeetafel zu genießen. Die Bergische Kaffeetafel war so beliebt, dass ein regelrechter Konkurrenzkampf unter den Witzheldener Wirten entstand, jeder bemühte sich die Gäste mit immer mehr Köstlichkeiten der Kaffeetafel zu verwöhnen. Um diesem gegenseitigen Überbieten ein Ende zu bereiten, setzten sich die Wirte dann zusammen und man beschloss, die Anzahl der angebotenen Speisen der Bergischen Kaffeetafel auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Und um dem Ganzen einen offiziellen Charakter zu geben, gründete man einfach einen Verein, den Witzheldener Wirteverein.

In den folgenden Jahren profitieren die Wirtsleute Unshelm vom regen Vereinsleben in der Gemeinde. 1930 wird der Obst- und Gartenbauverein gegründet. Auch Anna Unshelm wird Mitglied und hat trotz ihrer harten Arbeit in der Gaststätte noch Zeit für gärtnerische Tätigkeiten und der Obstzucht. Dies belegt ein Ausstellerverzeichnis des Obst- und Gartenbauvereins von 1948. In der Kaiserhalle findet eine Obst- und Gemüseschau statt und unter den 57 Ausstellern ist auch Frau Anna Unshelm. Sie präsentiert drei Apfelsorten: Früher Viktoria, Kaiser-Wilhelm und eine namenlose Sorte. Gleichzeitig versorgt sie auf diese Weise die Küche der Gaststätte stets mit frischem Obst und Gemüse.

 

 

Metzgerei Unshelm

Doch zurück zu den Anfängen der Eheleute Unshelm. 1932 entschließt man sich, die Gaststätte um eine Metzgerei zu erweitern, Hermann Unshelm erlangte bereits am 25.2.1903 seinen Meisterbrief. Bedingt durch Inflation und Arbeitslosigkeit herrschten schwere Zeiten. So hoffte man, dass mit dem Verkauf von Fleisch und Wurstwaren die Geschäfte aufgebessert werden konnten. Außerdem hatte man so den Zukauf von Fleisch und Wurst für die Gaststätte eingespart und die Belieferung der Küche erfolgte auf kurzem Wege.

Trotz der schweren Zeiten erfreute sich das Lokal bei den Vereinen großer Beliebtheit. Ein kleiner Auszug der Aktivitäten aus den 30er Jahren:

Turnverein Witzhelden – Turnübungen, Vereinsfeiern
Feuerwehr – sonntägliche Löschübungen
Rotes Kreuz /Sanitätskolonne – u. A. Theateraufführungen
Taubenzüchterverein
Wirteverein
Witzheldener Verkehrsverein
u.v.m.

Mit Fug und Recht konnte man von der „Guten Stube“ Witzheldens sprechen.

Nationalsozialismus und Krieg

Die Zeit hielt jedoch auch vor den Toren Witzheldens nicht halt, so zerfiel 1935 der Turnverein, da sich der Deutsche Turnerbund auflöste und sich dem staatlich gelenkten Reichsbund für Leibesübungen unterordnete. 1937 zog in die Kaiserhalle die SA ein, die noch übrig gebliebenen Witzheldener Turner brachten ihre Geräte nach Metzholz und turnten dort weiter. In der Gaststätte „Zur Kaiserhalle“ geht das Leben weiter, man muss sich arrangieren um zu überleben. Es folgt Einquartierung der Wehrmacht aus dem Polenfeldzug, ausgebombte Familienmitglieder aus den umliegenden Städten werden aufgenommen. 1944 wird die Schneiderei Götz aus Düsseldorf aufgenommen.

Briketts für das Wanderkino

Die Kaiserhalle wird zur Aufnahmestation für viele Heimatvertriebene. Doch auch die Freude kam nicht zu kurz, so gastierte während des Krieges 2 x wöchentlich, dienstags und samstags, ein Wanderkino. Die Besucher mussten zu den Vorführungen Kohle, Briketts oder Holz mitbringen, um in den Genuss einer kurzweiligen Unterhaltung zu kommen. Das Kino fuhr bis 1958 Witzhelden an und brachte Unterhaltung und Kurzweil nach Witzhelden.

Vor allen Dingen nach dem Krieg kommen Heimatvertriebene in der Gaststätte und im Saal unter, bis sie eine eigene Unterkunft erhalten.

Doch trotz der vielen Entbehrungen gibt es wieder positive Anzeichen, so gründet sich z. B. der Turnverein 1946 wieder neu. Ganz allmählich spielte das Vereinsleben wieder ein Rolle, die Bürger erfreuten sich an den Bunten Abenden des Turnvereins. 1948 gründete sich im Gesellschaftszimmer der Kaiserhalle die Witzheldener Landjugend mit dem Ziel zur Bildung einer Tanzgruppe. Daraus entwickelte sich 1949 das erste Erntefest in Witzhelden, bis heute das größte Fest im Jahr.

Gertrud und Fritz Unshelm

Die Eheleute Unshelm hatten zwei Söhne, Karl und Fritz. Es war geplant, dass Karl die Gaststätte und Fritz die Metzgerei übernehmen sollte. Doch Sohn Karl fiel im Krieg und so übernahm Fritz mit seiner Frau Gertrud Lokal und Metzgerei.

Im Laufe der Jahre waren die gute Küche und die Metzgerei über die Grenzen Witzheldens bekannt geworden. Überaus beliebt waren Schnitzel und Rumpsteak aus der gusseisernen Pfanne, wo Gertrud Unshelm unermüdlich für Nachschub aus der Küche sorgte.

Karneval in der Kaiserhalle

Mittlerweile blühte das Vereinsleben wieder und obwohl das bergische Land nicht zu den karnevalistischen Hochburgen zählt, wurde auch in der Kaiserhalle Karneval gefeiert. Am 16. Februar 1952 fand die erste Karnevalssitzung mit den Altstadt Funken aus Opladen statt. Sogar bekannte Kölner Karnevalisten traten bei den Feiern auf, so z. B. Karl Berbuer und die vier Botzen. An diesen Aktivitäten war der Turnverein Witzhelden maßgeblich beteiligt und es sollten noch viele folgen. Der Turnbetrieb in der Kaiserhalle genügte jedoch nicht mehr den Ansprüchen des mittlerweile gewachsenen Vereins. So wurde der Sportbetrieb 1959 in der Kaiserhalle eingestellt. Der Turnverein hatte nun die Möglichkeit, in einer richtigen Sporthalle der Volksschule Witzhelden zu trainieren.

Hans-Jürgen und Winfried für Gaststätte und Metzgerei

Doch dies hatte auch für den Saal der Kaiserhalle Folgen. 1961 wurde ein Teil des Saales abgerissen und 1962 die Schlachterei der Metzgerei Unshelm neu gebaut. Die Söhne von Gertrud und Fritz Unshelm, Hans-Jürgen und Winfried, arbeiteten jetzt im Geschäft mit. Winfried hatte bereits mit 23 Jahren, am 5.2.1960, seinen Meister im Metzgereihandwerk erlangt und war der jüngste Metzgermeister im damaligen Rhein-Wupper-Kreis.

Die nächste Generation übernahm die Geschäfte und Geschicke der Gaststätte und Metzgerei mitten im Dorf. Hans-Jürgen übernahm die Gaststätte und Winfried die angrenzende Metzgerei.

1967 feierten die Eheleute Gertrud und Fritz Unshelm 40jähriges Jubiläum der Kaiserhalle.

Diskothek “Old Joe”

Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Kaiserhalle immer mehr zu einem Treffpunkt der Witzheldener Jugend. Es begann wieder eine Zeit der Veränderungen und des Aufbruches. Um die Jugend am Ort zu halten und ein interessantes Unterhaltungsangebot zu schaffen, wurde freitags und samstags der Saal zur Diskothek umfunktioniert. Unter Bezugnahme seines Spitznamens nannte Hans-Jürgen Unshelm die Diskothek „Old Joe“. Jetzt erschall eine neue Musik durch die alterwürdigen Räume. Auch Billard- und Flipperkugeln ließen ihren Klang ertönen. Unterstützung fand der junge Gastronom in seiner Mutter. Gertrud Unshelm stand Tag für Tag an seiner Seite und war unermüdlich im Einsatz.
Nicht nur für Hans-Jürgen und Winfried Unshelm war sie die Mutter. Auch für die Witzheldener Jugend hatte sie stets ein offenes Ohr und wurde von allen liebevoll “Mutter” genannt.

Brand Katastrophe am 1.Juli 1994

Generationen hätten hier noch essen und trinken, lachen und feiern können, wenn nicht die Katastrophe am 1. Juli 1994 geschah – die Kaiserhalle brannte ab.

Die Feuerwehren kämpften mit den Flammen, der Dachstuhl wurde komplett zerstört.

Nach dem Brand wurden Überlegungen angestellt, ob die Gaststätte wieder aufgebaut werden kann, aber es stellte sich heraus, dass ein Wiederaufbau nicht mehr in Frage kommen konnte.

Wohnhaus mit Praxis

Die alte ehrwürdige Kaiserhalle musste abgerissen werden. Jetzt steht an gleicher Stelle ein Wohnhaus mit Zahnarztpraxis im Erdgeschoss. Statt Bier gezapft werden jetzt Zähne gezogen.

Bereits im selben Jahr fand der Brand beim Erntedankfestzug Erwähnung in Form des Mottowagens: “Seit die Kaiserhalle brannte nieder, ist Witzhelden in der Steinzeit wieder!“

 

Und auch nach 10 Jahren hatten die jungen Sportler des Turnverein Witzhelden „ihre“ Kaiserhalle nicht vergessen. Beim Erntedankfestzug 2004 erlebte die Gaststätte „Zur Kaiserhalle“ eine Würdigung in Form eines Mottowagens: „Witzheldens alte Kaiserhalle war früher Sportpalast für alle“.

 

 

Die Gaststätte „Zur Kaiserhalle“ ist nunmehr ein Teil der Witzheldener Geschichte, so wie vieles andere auch – unvergessen.

 

Quellen:

Stadtarchiv Leichlingen
Festschrift 100 Jahre Turnverein Witzhelden
Familie Unshelm

 

 

 

 

 

 

 

Unsere Witzheldener Dorfkirche hat den zweiten Platz im Wettbewerb der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler - kurz KiBa - gewonnen. Mit insgesamt 948 Stimmen reichte es leider nicht ganz zur Nr. 1, aber auch der zweite Platz ist ein Superergebnis, der Wettbewerb lief ja schließlich deutschlandweit. Die Siegerehrung findet am 11. Juni 2016 in Potsdam statt, einige der Mitglieder im Presbyterium werden an der Siegerehrung teilnehmen. Den 1. Platz belegt die Kirche St. Laurentius in Kirchheim (Thüringen), den 3. Platz die Dorfkirche im Alt Karin (Mecklenburg). An dieser Stelle den beiden Gewinnern herzliche Glückwünsche aus Witzhelden.

Mit Hilfe finanzieller Unterstützung der Stiftung KiBa, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, dem LVR, dem Kirchbauverein und vielen kleinen und großen Spendern hat das Presbyterium der ev. Kirchengemeinde die kostenaufwändige Restauration der alten Dorfkirche gestemmt. 

Recht herzlichen Dank an Alle, die mit abgestimmt haben.



Der Fernsehturm TV-Sender “Äu” in Witzhelden

Name
Der Name “Äu” erinnert an den früheren Witzheldener Bürgermeister August Weltersbach, der in seiner Amtszeit immer mit dem Landwirt und Fischzüchter Richard Claasen “im Clinch” lag.
Nach Richard Claasen ist der zweite Witzheldener Turm, der Richtfunkturm der Post mit “Rich” benannt.

Geschichtliches

Bau des TV-Senders 04.04.1960
Richtfest Sendemastanlage 22.12.1960
Sendebeginn ZDF 01.06.1961
Sendebeginn WDR 25.10.1963

Inbetriebnahme neuer Sendeantennen 19.03.1981
Fertigstellung des neuen Sendergebäudes 1983
Sendebeginn RTL April 1989
Sendebeginn VOX 01.01.1993
Erste Windkraftanlage 14.05.1996

Sendemastanlage

Höhe des Antennenmastes 202,5 m Stahlbleche und Profilstahl: 110,0 t
Höhe der Antenne 16,0 m Passschrauben: 45 000 Stück
Gesamthöhe der Sendeanlage 220,0 m Gewicht der Antenne: 3,0 t
Höhe des Geländes über NN 232,5 m Gesamtgewicht Sendemast: 180,0 t
Durchmesser Antennenmast 1,8 m

TV-Sender

2.Programm - ZDF Kanal 29 (ca. 535 MHz); 20 000 Watt
3.Programm - WDR Fenster Köln Kanal 55 ca.743 MHz); 20 000 Watt
Fenster Düsseldorf Kanal 41 (ca. 631 MHz); 500 Watt

RTL Kanal 36 (ca. 591 MHz); 2 000 Watt
VOX Kanal 39 (ca. 615 MHz); 3 000 Watt

Witzheldener Fernsehturm wurde 16 m kleiner.

Am 7.4.06 um ca 16.45 Uhr war am Himmel über Witzhelden eine spektakuläre Aktion zu bestaunen. Vom Fernsehturm am Bechhauser Weg wurde mittels eines Hubschraubers das obere Teilstück abtransportiert. Anschließend wurde der offene Turm wieder mit einer Platte verschlossen.
Mit dem russischen Transporthubschrauber Kamov 32 A12 hatte eine schweizer Spezialfirma keine Mühe, das 4 Tonnen schwere Teilstück zu transportieren.

Es handelte sich bei der Turmspitze um eine analoge Antenne, die in Zeiten der digitalen Übertragung nicht mehr benötigt wurde. Die bisher vom Witzheldener Sender gesteuerten Aufgaben werden von anderen Anlagen in Köln und Düsseldorf übernommen. Der Fernsehturm wird aber weiterhin in Funktion bleiben, wir nicht weiter abgebaut und bleibt somit als ein Wahrzeichen Witzheldens erhalten.

Die Sendemastanlage Witzhelden wurde im Jahr 1960 errichtet. Die jetzt abgebaute Antenne kam 1981 hinzu.
Mit nunmehr 202,5 m Höhe ist der Turm aber immer noch recht ansehnlich.

Anstreicher gondeln in 200 Metern Höhe

VON RALF KRIEGER, 01.04.08

Die Turmbauer ziehen sich in einer selbst gebauten Gondel bis zu 200 Metern hoch, um die Seile und die Marker zu renovieren

Turmbauer aus Berlin haben keine Höhenangst: Sie streichen die Halteseile des Antennenmastes an.
Witzhelden - Schwindel erregend ist der Anblick schon von unten, wenn zwei Männer in der Nähe der Spitze des rot-weiß geringelten Witzheldener Fernsehturms in ihrer Seilbahngondel ihrer Arbeit nachgehen. Die Abspannseile, die die dünne Turmröhre vor dem Abknicken bewahren, müssen angestrichen werden. Kaum auszudenken, wenn die Konstruktion vom Rost angegriffen würde. Der im Jahr 1960 erbaute Turm selbst steht nicht von alleine stabil, nur die Seile halten ihn aufrecht. Die Fachleute nennen die Seile Pardunen. Und wenn man schon einmal oben ist, werden die spindelförmigen Seilmarker aufgearbeitet. Die sind vorgeschrieben, damit Piloten die dünnen Pardunen nicht übersehen und nicht dagegen fliegen.

Vier Turmbauer der Firma Steffens & Nölle sind mit den Seilen beschäftigt. Die Erzeugnisse der Firma kennt jedes Kind: Die Berliner haben nicht nur in den 20er Jahren den Berliner Funkturm, sondern 1958 um die Ecke auch das heutige Bayerkreuz in Leverkusen erbaut. Die selbst gebaute Seilbahn, mit der die Anstreicher bis an die 202 Meter hohe Spitze gelangen, besteht aus zwei Stahlseilen. Ein dickes Tragseil läuft von der Turmspitze schräg nach unten zu einem mit Kies gefüllten Kipplader, an den zur Sicherheit gegen das Wegrutschen noch ein Bagger angebunden ist. Das Seil verläuft von dort über mehrere Umlenkrollen zu einer Trommel und kann so mehr oder weniger stark gespannt werden. Auf diesem schrägen Seil hängt die Arbeitsgondel. Mit einem Zugseil wird die Gondel an dem dicken Tragseil aufwärts gezogen oder abgelassen. Die beiden Seilwinden werden von je einem Mitarbeiter bedient. Die beiden Männer in der Gondel in knapp 200 Metern Höhe sind nicht zu beneiden - das nahe Windrad dreht sich schnell, es pfeift und rauscht. Der Job ist nicht gerade einfach im Winter, das sieht man sofort. An der Gondel hängt ein Eimer mit Farbe, schwarz wie Teer. Damit fährt Yves Bottin noch einmal hinauf. Jeder Windstoß drückt die Gondel einige Meter zur Seite. Über Funk gibt er Anweisungen an die Kollegen an den Seiltrommeln. „Tragseil spannen, Zugseil nachlassen, jetzt stopp“. Mit weichen Bewegungen nähert sich die Gondel dem Ziel. Immer wieder Windböen. Bottin lehnt sich, gesichert durch ein Seil, aus der Gondel, hält sich fest und streicht ein Stück der Pardune. Er scheint die Höhe nicht zu registrieren. Unten erzählt sein Kollege, dass man sich die Höhenangst abtrainieren könne. Mindestens noch bis Donnerstag haben die vier in Witzhelden zu tun - wenn es regnet oder der Wind zu stark bläst auch länger.

Der 1960 erbaute Turm gehört nach einem gescheiterten Verkaufsversuch 2007 nach wie vor der Gesellschaft „Deutsche Funkturm GmbH“, eine Tochtergesellschaft der Telekom. Als Fernsehsendemast diente er bis zur flächendeckenden Einführung des digitalen Antennenfernsehens DVB-T. Die analoge Antenne wurde im April 2006 mit einem Hubschrauber heruntergenommen.

Eiserne Reserve

Da jetzt nur noch die Funk-Relaisstation der Feuerwehr und Mobiltelefonsender im Turm eingebaut sind, wird der Antennenmast derzeit eigentlich nicht mehr gebraucht. Zumal gleich nebenan am Sportplatz der Funkturm steht, der seine Funktionen leicht übernehmen könnte. Doch die Telekom hält sich mit der Wartung offenbar die Option auf mehr Funkbetrieb in Witzhelden offen. Wäre der rot-weiße Mast erst einmal umgelegt und bräuchte man dann doch wieder Sendeanlagen für neue Anwendungen, wäre eine neue Baugenehmigung sicherlich nur sehr schwer zu bekommen.

 

Der Name “Rich”

Der Name “Rich” ist laut Wörterbuch die bergische Abkürzung für Richard. Gemeint ist damit der Witzheldener Landwirt und Fischzüchter Richard Claasen, der mit dem damaligen Bürgermeister August Weltersbach in fast ständigem, aber meist humorvoll vorgetragenem, Streit lag.


Die Funkübertragungsstelle

Der Fernmeldeturm in Witzhelden Flamerscheid bildet zusammen mit dem Maschinengebäude die Funkübertragungsstelle. Die Richtfunkgeräte sind in der Betriebskanzel antennennah aufgebaut. Im Maschinengebäude befinden sich die für die Stromversorgung erforderlichen Geräte sowie ein Schwungrad-Umformer mit ankuppelbarem Dieselmotor, der bei Netzausfall die Fernmeldegeräte unterbrechungsfrei versorgt.

Der Turm

Der Turm ist ein sogenannter Typenturm. Er besteht bis zur Höhe von 102,90 m über Gelände aus einem konischen Stahlbetonschaft, auf den ein zylindrischer Stadlbetonschaft von 31 m Höhe aufgesetzt ist. Die Gesamthöhe des Turms beträgt also 133,90 m.Die Baukosten betrugen ca.1,79 Mio €. Die zweigeschossige Kanzel für die technischen Einrichtungen befindet sich in einer Höhe zwischen 74,20 und 82,90 m. Um diese Kanzel herum sind die Hauptantennenplattformen mit einem Durchmesser von je 33 m in Höhen von 75 und 83 m angebracht. Der Turmschaft eignet sich zur Aufnahme weiterer kleinerer Antennen. Im Innern des Turms befindet sich ein Aufzug bis zur Höhe von 80 m sowie eine Stahlbetontreppe.

Der Standort

Die Richtfunkstrecken (Funkfelder) sollen möglichst frei von Hindernissen sein, weil sich die Funkwellen - wie das Licht - geradlinig ausbreiten. Als Standorte für die Funkübertragungsstellen eignen sich daher topografisch exponierte Punkte. Aus Funkfelduntersuchungen (Geländeschnitte u.a.) ergab sich der jetzige günstige Standort, der ca. 245 m über NN liegt. Von hier aus sind nicht nur die Funkübertragungsstellen in Düsseldorf und Köln zu erreichen, sondern fast alle bestehenden und geplanten Funkübertragungsstellen in einem Umkreis von mindestens 50 km. Folgende Gegenstellen werden direkt angesteuert: Bonn, Düsseldorf, Gummersbach, Herscheid, Hürtgenwald, Köln, Leverkusen-Opladen, Lohmar, Oberhausen, Remscheid und Wuppertal.

Vergleich mit anderen Türmen

Wie man der nachfolgenden Skizze entnehmen kann, gehört der Fernmeldeturm in Witzhelden nicht gerade zu den größten seiner Art. Aufgrund seiner exponierten geografischen Lage ist dies jedoch auch nicht notwendig.

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