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Witzhelden – geschichtlicher Abriss

Witzhelden, ein Dorf im bergischen Land, klein, aber früher von großer Bedeutung. Urkundlich wurde Witzhelden als „Withseleden“ zum ersten Mal am 14. Oktober 1184 in einer in Altlatein verfassten Bulle von Papst Lucius III. erwähnt : “Ein Landgut des Edlen von Hemmersbach, jenseits des Rheins gelegen. Es wird erwähnt nahe dem Dorf Withseleden mit allem Recht, wodurch dieses es besitzen wird.“(Original Urkunde;Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 96,Nr. 27). Vermutlich begann die Besiedelung bereits im 9. Jahrhundert. 
Nachdem das Kirchspiel unter dem 30-jährigen Krieg sehr gelitten hatte, bestand das Dorf aus 16 Häusern und einer Kirche. Die Feuersbrunst im 16. Jahrhundert vernichtete einen Teil des eigentlichen Dorfes.
Ab 1794 gehörte Witzhelden zum Herzogtum Berg, dessen Grafen und Herzöge von Berg in Witzhelden bedeutenden Grundbesitz hatten. Außerdem unterlag es dem Amt Miselohe und ab 1818 gehörte es zum Kanton Opladen. Allerdings wurde Witzhelden 1815 von Preußen eingenommen und stand seitdem unter deren Herrschaft. Als Dorf selber wurde es erst 1851 selbstständig.
Durch die kommunale Neugliederung im Jahre 1975 verlor es seine Selbstständigkeit wieder und wurde ein Stadtteil von Leichlingen.

Die Kirche – ein Wahrzeichen von Witzhelden

Mitten in Witzhelden findet man die bis zur Reformation ca. 1560-1580 dem St. Gereonstift in Köln angehörige evangelische Kirche, eine Kirche im Stil der bergischen Predigerkirchen.

Die beiden Zwillingsfenstern des Turmes dienen als Schallöffnung für die drei Glocken.

Sie bestand schon im 12. Jahrhundert und wurde im 13. Jahrhundert als Pfarrkirche erwähnt. Somit ist sie die älteste Kirche im Kirchenkreis Solingen. Gleichzeitig dient sie als Gruft der damaligen Herren von Herscheid und Bechhausen. Eine Grabplatte wurde bei Ausgrabungen während der Kirchenrenovierung 1952 gefunden.

Die erste Kirche wurde 1241 erbaut. Bei der Restaurierung in den Jahren 1979-1982 fand man heraus, dass es sich um eine Ost – West orientierte Saalkirche handelt, denn man fand deren Reste aus dem 11. Jahrhundert in einer in Lehm gesetzten Steinstickung von ca. 1,20 m Breite. Es war eine einschiffige Saalkirche, also ein Kirchraum ohne Stützpfeiler im Inneren. Lediglich ein kleiner Altarraum mit eckigem Grundriss war angegliedert. Die Kirche war zwischen 3,6 m und 5 m breit und zwischen 8 m und 11 m lang. Daran schloss sich im Osten noch ein um etwa eine halbe Mauerstärke eingezogener, rechteckiger Chorraum von ca. 3,6 m mal 4 m an.

Der Grundriss der Kirche ist heute noch zu sehen: eine Kupferleiste im Boden der Kirche zeichnet die Umrisse nach.

Im Jahre 1248 wurde der Turm im romanischen Stil errichtet. Er ist vierstöckig und hat je zwei kleine, rundbogige Fenster, die in ihren Laibungen mit Tuffsteinen verblendet sind. Der alte Wehrturm aus Bruchsteinen trägt ein Pyramidendach, also ein sogenannter Stubbenturm. Die Turmhalle misst innen 4,15 m² und außen 6,5m² und ist mit einem schweren Gratgewölbe überdeckt. Seine Wände sind solide, allerdings aus einer recht groben Steinstickung.

Das Dach ist mit Schiefer verkleidet. Dies nennt man ein Mansardendach.
Die Bronzeglocken im Turm stammen aus den Jahren 1435, 1451 und 1997. Damals wurden diese noch von Hand geläutet, ab ca. 1955 wurde dies durch ein elektrisches Läutewerk geändert. Dabei erfolgte dann auch eine Vertäfelung der Decke und die Bänke wurden erneuert (insgesamt sind es 21 Mittelbänke, 23 kurze Seitenbänke und 18 lange Bänke auf der Empore).
Der Turm blieb seit der ersten Erbauung bis heute erhalten. Im Volksmund nennt man ihn auch den „Alten vom Berg“.

Im 13. Jahrhundert wurde auf den Fundamenten der ersten Saalkirche eine um zwei Seitenschiffe erweiterte, viel aufwendigere Kirche gebaut. Diese Kirche war nun dreischiffig und doppelt so groß wie ihr Vorgänger.
Das Fundament des 1. Baus wurde als Stütze für die zwei Seitenschiffe benutzt. Die Seitenwände dieser Kirche liegen zum Teil unter der Nord- und der Südwand der heutigen Saalkirche.
Die Seitenschiffe endeten im Osten jeweils in einer kleinen Apsis, einer bogenförmigen Nische. Der Altarraum des zweiten Baus hatte die Form eines „gestelzten Halbkreises“. Hierbei wurde die Kirche durch staufische Prägung verändert. Später wurde die Kirche etwas umgebaut: das Gebäude wurde nach Nordosten erweitert.

Durch Risse im Gewölbe und das Abrutschen der Grundmauern um das Jahr 1767 musste allerdings auch diese Kirche abgerissen werden und wurde dann von 1767 bis 1773 neu errichtet. Der Turm blieb dabei jedoch stehen. Dies ist nun unsere heutige Kirche im Stil des bergischen Bauernbarocks. So passt sich die Kirche dem Turm an, denn auch sie wurde aus Bruchsteinen gebaut. Ihre Breite beträgt nun 14 m und ihre Länge 19,5 m. Der Chor ist gerade geschlossen und hat ein hölzernes Tonnengewölbe. Die Empore umläuft drei Seiten. Der Turm ist westlich vorgelagert.Im Inneren der Kirche findet man ein einfaches Gewölbe, Putz auf Spalierplatten, und Rundfenster mit Bleiverglasung, die im Winter 1949/1950 erneuert wurden. Die Wände wurden im Jahr 1930 neu gestrichen.In den Jahren 1871 bis 1982 wurde die Kirche immer wieder umfangreich renoviert.

Im Krieg von 1939 bis 1945 konnte das Kirchendach aufgrund von Geldmangel nicht neu gedeckt werden und auch Reparaturen wurden vernachlässigt. Leider waren diese Arbeiten dringend notwendig und so drang Wasser durch das Dach. Am Gewölbe entstanden nicht zu verhindernde Schäden. Erst ab 1948 war die Gemeinde in der Lage die Schäden zu beseitigen. So wurde im Herbst die Südhälfte neu gedeckt.
Im Sommer 1949/1951 wurde dann das komplette Kirchendach mit Moselschiefer neu verkleidet. Des weiteren wurden der Turm und insbesondere dessen Mansardendach auf der Nordseite ausgebessert. Die Kosten dafür trug der Staat. Im Herbst 1949 und im Frühjahr 1950 wurden die Fenster neu verglast. Es wurde Kathedralglas eingesetzt. Die nun in Blei eingefassten Fenster waren weiß-goldgelb kariert. Das Glas der Längsscheiben ist rot und blau.. Auch die innere Eingangstür wurde durch eine Eichentür ersetzt und passt sich somit dem Baustil an. Das Außenmauerwerk wurde im Sommer 1951 neu ausgefugt und das Holzwerk neu gestrichen. Das Innere wurde von Oktober bis Dezember 1951 restauriert. Der Putz des Gewölbes wurde entfernt und neu verputzt, die Fensterbänke wurden erneuert und die Gänge aufgerissen. Dabei fand man zwei unebene Grabplatten, sogenannte flandrianische Grabsteine, die entfernt wurden, damit neue Platten verlegt werden konnten.1971/1972 wurde dann der romanische Turm restauriert und eine neue Tür wurde eingesetzt. Zeitweise, von 1890 bis 1949, war er mit Efeu bewachsen. Eine umfangreiche Restaurierung der Kirche folgte in den Jahren 1973 bis 1982, wo auch das komplette Südportal neu gestaltet wurde.

Es folgen nun Bilder, welche die Entwicklung der Kirche von 1900 bis 1974 zeigen.

 

 

 

Die denkmalgeschützten Häuser „am Markt“


Die folgenden Gebäude, sowie auch die Kirche, wurden im Juli 1990 unter Denkmalschutz gestellt. Es handelt sich um die Häuser im Marktplatzbereich, die zusammen mit der Kirche den Marktplatz umsäumen.

Der Marktplatzbereich weist eine hohe Qualität der raumbegrenzenden Bebauung auf.
Die Friedhofsmauer und die alte Dorflinde sind schon seit mehr als hundert Jahren verschwunden. Dafür wurde 1997 ein Brunnen errichtet.

.Die Längsseiten dieses Dreiecksplatzes bilden die beiden traufständigen Fachwerkhäuserreihen im bergischen Baustil, den Abschluss des Dreiecks bildet die Kirche mit den angrenzenden großen Bäumen. Früher befanden sich auch mitten auf dem Marktplatz Bäume. 1991 entschied man dann wieder einen großkronigen Baum in die Mitte des Platzes zu setzen, damit dieser seine frühere, hohe Aufenthaltsqualität wieder erhält. Des weiteren wurde durch eine Mauer das starke Gefälle zum Parkweg hin gelindert. Die Kuppe des Platzes wurde abgeschliffen, um eine bessere Einsicht auf den Platz zu ermöglichen. Auf dem Marktplatz wurden Lampen mit einem niedrigen Lichtpunkt angebracht.

Der Marktplatz – eine intakte Darstellung des bergischen Landes, gekreuzt von den Strassen Burscheid, Solingen und Leichlingens sowie Hilgen.
Alle weiteren Strassen laufen sternförmig auf den Platz zu.

Über die Häuser lässt sich im allgemeinen sagen, dass sie zweigeschossig sind und ein steiles Satteldach haben. Erschlossen sind sie von der Traufseite, oft mittig. Insbesondere die Gebäude der südlichen Platzwand sind im originalen Baubestand erhalten.
Das typisch bergische Fachwerkhaus hat einen Sockel aus Grauwackebruchstein, welcher leicht vor dem aufgehenden Fachwerkhaus steht. Oft sind sie verputzt und grau gestrichen. Die Fassadenfläche ist meist verschiefert.

Die Dächer bestehen aus Hohlziegeln. Der Ortgang, also der Dachrand an der Giebelseite, und die Traufen haben nur einen schmalen Überstand. Die Traufen bestehen aus schräggestellten Traufbrettern mit geschweiften Enden.
Die Fenster sind 2-flüglig und gehen oft nach außen auf. Das Glas ist mit Sprossen besetzt. An einigen Häusern sieht man immer noch die Schlagläden in einem bergischen Grün leuchten.
Die Häuser „Am Markt“ 10,11 und 12 stammen aus dem 18. Jahrhundert, 13 und 14 wurden wohl Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut.

 

 

Hauptstrasse 2

Das ca. 155 Jahre alte Pfarrhaus steht unmittelbar hinter der Kirche. Das um 1850 erbaute Haus ist auf den Grundmauern eines älteren Hauses errichtet worden. 1851 war es dann bezugsfertig.

Die Substanz des vorigen Hauses, welches auch das Haus der Pfarrers war, war sehr schlecht. Bei der Erbauung des Hauses mussten viele Einschränkungen in Kauf genommen werden: die in der Küche befindlichen Haussteinplatten mussten erhalten bleiben; ebenso die Platten im Keller. Der Wandofen und das Fournaise in der Küche sind auch noch im Originalzustand vorzufinden. Untypisch für den bergischen Baustil sind die Fensterschöpfungen.
Früher gehörte noch ein Stall zum Anwesen. Im August 1905 brannte dieser Teil allerdings ab.

Gebaut wurde das 2-geschossige Pfarrhaus im Stil eines ländlichen Einfamilienhauses mit Krüppelwalmdach.

Der Mitteleingang mit der doppelflügligen Tür wird von Schiefer umrandet, welcher als Zierschiefer die komplette Fassade des Hauses bedeckt.

Es fanden über die Jahre immer wieder einzelne, kleine Umbauten statt. Heute ist das 1965/66 neu erbaute Haus nicht mehr Pfarrwohnung, sondern zum Teil Sitz des Gemeindebüros. Der andere Teil des Hauses ist vermietet.

 

Am Markt 6

Auch dieses Gebäude ist 2-geschossig und wurde Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut. Durch einen Situationsplan lässt sich sagen, dass 1880 dort die Familie Linkmann wohnte.

Noch heute ist es in einem guten Originalzustand. Das Türblatt ist allerdings neu.

Das Dach ist mit glasierten Hohlziegeln eingedeckt.

 Am Markt 8

Dieses Haus gehörte der Familie Müller. 1880 war es im Besitz der Familie Schmitz, denen damals auch das Haus „Am Markt“ 7 gehörte. Am Markt 8 im Jahre 1903.

Dieses ebenfalls 2-geschossige Haus ist das einzige Haus, welches einen „Türsturz“ hat und, wie man früher behauptete, einen geheimen Gang zur Kirche.

In dem Balken ist die Jahreszahl 1650 bzw. 1729 eingraviert. Vermutlich die Daten der Erbauungen der damals dort befindlichen Häuser. Der Balken wurde bei den neuen Häusern immer wieder mit eingesetzt. Die Eingangsseite befindet sich auf der Traufseite. Das heutige Haus wurde um 1800 erbaut und vorerst als Bäckerei genutzt. Die Fassade wurde Ende des 19. Jahrhunderts allerdings durch eine Türrahmung modernisiert. Auch das Innere wurde modernisiert. Seit 1994 befindet sich dort die Pizzeria „I Trulli“. Vorher war dort ein Optiker.

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Markt 9


In diesem recht schmalen Teil eines Hauses war bis vor kurzem noch ein Möbelgeschäft untergebracht. Heute ist der Schreibwarenladen Sasse, mit Postfiliale, dort ansässig.

Peter Johann Claasen ließ das Haus bauen und bewohnte es ab 1884.

Ab 1889 benutzte die Familie Rehbach das Haus als Warenlager. Es folgten die Familien Hibbertz, Pulvermacher und Klinkhammer.

 

 

 

 

 

Am Markt 10

Aufnahme des Hauses von 1920.Anfang des 19. Jahrhunderts wurde hier zum ersten Mal ein Haus gebaut. Familie Schmitz ließ ein neues, 2-geschossiges, verschiefertes Haus Anfang des 20. Jahrhunderts bauen.
Das Anfang des 19.Jahrhunderts erbaute Haus war zuerst eine Wirtschaft, dann 12 Jahre lang die Post.

Nachdem es dann ab 1878 wieder als Wirtschaft diente, wurde es 1914/15 umgebaut, der zugehörige Stall wurde abgerissen und ab 1948 wurde aus dem Haus eine Backstube. 1929 erfolgte der Dachausbau dieses neubergischen Zwerghauses.
Ab 1955 war die linke Hälfte ein Bäckerladen und die rechte Hälfte eine Wirtschaft. Die Rückseite bildet ein jüngerer, 2-geschossiger Fachwerkbau mit Blechschiefer.
Leider ist das Erdgeschoss durch den modernen Ladeneinbau stark verändert worden. Das Haus ist seit 1977 Bäckerei und Cafe Heinrich Strieker.

 

Aufnahme des Hauses von 1920

 

Am Markt 12

Der frühere Bauernhof mit dem Krüppelwalmdach, welcher um 1800 erbaut worden war, war mit der Zeit stark heruntergekommen. Die doppelflüglige Eingangstüre ist asymmetrisch und hat im Oberlicht Ellipsensprossen.

Ein verzierter Rahmen befindet sich auf der Giebelseite zwischen den beiden Geschossen. Die andere Seite ist mit Schiefer verkleidet. Früher war es mit dem Haus „Am Markt 11“ verbunden. Der Besitzer war eine Adelsfamilie, die allerdings den Hof 1890 verkaufen musste. Des weiteren wohnte die Familie Schwarzenberg darin. Heute ist der Friseur „Am Markt“, geleitet von Familie Harings, hier untergebracht.

 

 

 

 

 

 

Am Markt 13/14

Heute bilden diese zwei Häuser die Gaststätte „Zur alten Post“.

Das erste mal wurde diese Gaststätte 1851 erwähnt. Früher gehörte das Anwesen der Familie Witte, dann Derkenrath und heute Hoffmann.

 

 Am Markt 16

Am Markt 16 wurde 1850 erbaut. Dieses Haus unterscheidet sich sehr von den anderen Häusern in seiner äußeren Gestalt: es ist ein verputzter Ziegelbau mit Mitteleingang, einem kleineren Mittelrisalit und Krüppelwalmdach. Die Fenster im Erdgeschoss wurden im 20. Jahrhundert modernisiert.

 

 

 

 

 

Am Markt 17

 

Das Haus des Ortsvorstehers wurde 1712 gebaut. Das steile Dach stammt aus dieser Zeit, die Fassade ist durch mehrfaches Umbauen leider verdorben. Zum Glück konnte die damalige Gestalt des Hauses erhalten bleiben, da das heutige Haus nach alten Vorlagen rekonstruiert worden ist. Der Stall, der zu dem Haus gehörte, wurde 1897 gebaut.

 

 

 

 

 

Am Markt 18

Zum ersten Mal wurde an diesem Platz 1612 ein Haus errichtet.

Das aktuelle Haus wurde 1879 an das links danebenstehende Haus (Nr. 17) gebaut. Das heutige Modegeschäft Andrea Risto wurde ab 1885 von Karl Müller als Wohnhaus und Stall benutzt, ab 1907 bewohnte Hugo Rahm und ab 1990 Familie Madel das Haus.

 

 

 

 

 

 

Am Markt 19

Schon 1851 war dieses Haus eine Gaststätte. Allerdings befanden sich dort auch mal eine Sparkasse, ein Schreibwarenladen und ein Tabakgeschäft.

 

 

 

 

 

 

 

Am Markt 20

Zum ersten Mal wurde dieses Gebäude 1839 erwähnt. Bis 1887 wurde es als Gastwirtschaft genutzt. Bis vor ca. zwei Jahren führte dort Familie Flecke

eine Drogerie. Heute findet man dort das Warenlager der Firma Elektro-Wünsch, sowie das Friseurgeschäft Machado "Hair Shop".

 

 

 

 

 

Solinger Strasse 2


Dieses Haus, welches an der Ecke Solinger Strasse/ Hauptstrasse liegt, ist ein verschiefertes Fachwerkhaus in dessen Giebel sich eine alte, heute nicht mehr benutzte Ladeluke befindet. Die rückwärtige Traufseite ist mit Blechschiefer verkleidet. Damals wurde das Haus als Bauernhof und Gaststätte genutzt. Die Fenster und der kleine Ladenbau sind aus dem 19. Jahrhundert.

Heute stellt dort die Firma Schlage ihre Produkte aus.

 

 

 

 

 

Denkmalschutz

Der Dorfkern mit der evangelischen Bauernbarock-Kirche und den Fachwerkhäusern ringsum wurde 1990 unter Denkmalschutz gestellt.

Damals sagte der Kunsthistoriker Dr. Andreas Stürmer:

„Witzhelden ist das schönste intakte Dorf
des ganzen Rheinisch-Bergischen Kreises.“

Stellungnahme

Der Ortskern von Witzhelden ist für mich, wie auch für viele andere Bewohner Witzheldens, etwas Besonderes. Allein schon, dass die Kirche im Kern von Witzhelden steht, signalisiert ihre Machtposition. Früher schienen dadurch Normen und Werte der Kirche im Zentrum des Lebens zu stehen.

Ohne diesen Ortskern würde in Witzhelden etwas fehlen. Wenn die Kirche nicht mehr dort stehen würde, würde vielleicht ein Baum den Platz ersetzen können, jedoch nie ihre Bedeutung für die Leute, denn sie ist ein Teil von uns und unserem Dorf. Abgerundet durch den schönen Marktplatz und die Häuser bildet sie außerdem einen Platz zum Entspannen.

Siegfried Sonnenberg vom Kirchbauverein sagte dazu: „Wenn ich aus dem Urlaub nach Hause komme, dann fahre ich immer an der Kirche vorbei, denn sie signalisiert mir: Hier bin ich zu Hause!“

Christliche & europäische Architektur prägen das Bild

Romanik (Turm) und Spätromanik (Teile der Kirche)

Für die romanischen Architektur (etwa 950 bis 1150) sind Wölbungen, hervorgerufen durch Kreuzgrat oder Kreuzrippen, Rundbögen, welche man vor allem an Portalen, Fenstern und Arkaden findet, massive Mauern und kleine Fenster- und Türöffnungen sowie Säulen typisch. Oftmals wurde nur mit Holz und Stein gearbeitet; auf Verziehrungen wurde weitestgehend verzichtet, sodass die Bauweise ziemlich streng wirkt.

Diese Epoche zeichnete sich durch wehrhafte Türme und klar strukturierte Innenräume aus.

Die Grundrisselemente sind Quadrat und Kubus.

Die Spätromanik umfasst den Zeitraum von 1170 bis 1190. Der Stil unterscheidet sich eigentlich nicht vom romanischen Stil. 

Barock (Kirche)

Das barocke Epoche bezieht sich auf das 17. und auf den Anfang des 18. Jahrhunderts. Als Grundelement gilt die Bewegung, die Dynamik. Diese Dynamik stellt man besonders an den Skulpturen und Bildern fest, die Frauen und auch Männer abbilden. Auch die Formen sind dynamisch: Kurven wechseln sich mit Ellipsen ab. Dadurch gibt es kaum grade Linien, sondern ovale und runde Formen.

Die Bauten sind oftmals symmetrisch. Erstaunlich ist, dass viele der romanischen und gotischen Kirchen innen barockisiert worden sind, wie auch die Kirche in Witzhelden.

Die Kirchenschiffe gingen nun mehr in die Breite und nicht, wie zuvor, in die Länge. Licht und Schatten spielten eine sehr große Rolle, genauso wie Statuen, große Deckengemälde oder ähnliches zur Verzierung. In diesem Zeitalter vollendete sich die Entwicklung vom Turm zum Risalit.

Der Bauernbarock ist eine Art Volksarchitektur. Dabei ließen sich die Architekten von den großen Herrensitzen oder Bürgerhäusern inspirieren.

 

 


Klärung architektonischer Begriffe aus dem Text

Mansardendach

Das Gebäude, wo dieses Dach zum ersten Mal auftauchte, war das Versailler Schloss. Von dem Architekten stammt auch dessen Name: Mansarde.

Diese, etwas eigenwillige Konstruktion mit den gebrochenen Dachflächen, schafft mehr Wohnraum.

Das Mansardendach besteht aus zwei Dächern mit unterschiedlicher Schräge. Der untere Teil des Daches ist sehr steil gebaut. Der darauf gesetzte Teil bildet ein kleines Dach, die Mansarde.

 Moselschiefer

Der Moselschiefer wurde schon ab 1850 nach seinem Transportweg benannt. Der Transport erfolgte über die Mosel. Mittlerweile hat sich dieser Name zu einem Qualitätsbegriff etabliert.
Kathedralglas
Diese Art von Glas setzt sich aus gegossenem Flachglas und eingewalztem Ornament zusammen. Die häufig für Kirchenfenster verwendete Glasart ist unregelmäßig klein- oder großgehämmert.
Laibungen
Als Laibungen bezeichnet man die seitlichen, je nach Sichtweise auch die inneren Flächen von Wandöffnungen, die für Fenster und Türen vorgesehen sind.
Tuffstein
Der Tuffstein ist ein verfestigter Vulkanauswurf. Durch die natürliche Entstehung variiert auch die Größe, die mineralische Zusammensetzung und die Farbe (gräulich, grünlich, gelblich, rötlich und violett).
Pyramidendach
Wie der Name schon sagt hat das Dach die Form einer Pyramide. Somit sieht das Gebäude an allen Seiten gleichmäßig aus. Diese Art von Dach ist typisch für frühromanische Türme und Kirchen.
Traufseite
Als Traufseite bezeichnet man die tiefste Seite eines Hauses.
Apsis
Eine Apsis ist eine halbrunde Nische in einer Kirche. Später wurde auch der dem Kirchturm gegenüber liegende, halbrunde Teil als Apsis bezeichnet.
Staufische Kunst
Diese andere Bezeichnung für die Spätromanik erhielt den Namen aus dem Geschlecht der Staufer.
Bleiverglasung
Unter Bleiverglasung versteht man die Einfassung von Gläsern mittels verlöteter Bleiruten.
Hohlziegel
Dieser Ziegel wurden bereits im Mittelalter verwendet. Die mit der Innenwölbung bezeichnet man als Nonne, die mit der Außenwölbung als Mönch. Der Übergang von zwei Nonnen wird mit einem Mönch abgedeckt.’
Zwerghaus
Das Zwerghaus wird auch Zwerchhaus oder Zwerchgiebel genannt und bezeichnet ein Haus, dessen Giebel quer zum Hauptdach verläuft.
Oberlicht
Das Oberlicht ist die Verglasung im oberen Bereich eines Raumes, wie man es zum Beispiel bei Türen findet.
Rähm
Das Rähm oder Rähmholz schließt den Fachwerkrand nach oben hin ab. In der Dachkonstruktion wird auch das parallel zum First oder der Traufe liegende Holz im Dachverband unter dem Kehlbalken so bezeichnet.
Risalit
Das hervorspringende Gebäudeteil wird als Risalit bezeichnet.


Eine Facharbeit von Michaela Böllstorf
ehemalige Schülerin des
Städtisches Gymnasium Leichlingen
Jahrgangsstufe 12/II, 19.3.2004

 

 

 

Die Evangelische Kirche in Witzhelden
Bereits im 11. Jahrhundert ist das Barock-Bauwerk der evangelischen Kirche in Witzhelden entstanden und prägt seitdem das Ortsbild des Leichlinger Stadtteils. Die Witzheldener Heimatforscherin, Lore May, konnte unter Zuhilfenahme des Kirchenarchivs Witzhelden die Geschichte der Kirche rekonstruieren und zusammenfassen.

Eine Tafel an der Südseite der evangelischen Kirche in Witzhelden gibt einige geschichtliche Hinweise auf das Barock-Bauwerk.
Bei den anlässlich der Restaurierung des Kirchenschiffs in den Jahren 1979-1982 durchgeführten Ausgrabungen fand man eine in Lehm gesetzte Steinstickung als Reste einer Ost-West orientierten Saalkirche, deren Entstehung wohl dem 11. Jahrhundert zuzuordnen ist.

Der im 12. Jahrhundert errichtete vierstöckige, mit einem Pyramidendach versehene Turm ist noch heute in seiner ursprünglichen Art erhalten. Er wird im Volksmund “der Alte vom Berge” genannt.

Vergrößerung der Kirche im 15.Jahrhundert

Im 15. Jahrhundert wurde dann auf den Fundamenten der ersten Saalkirche eine um zwei Seitenschiffe vergrößerte Kirche erbaut . Der kurze zeitliche Abstand der beiden Bauten lässt auf eine wahrscheinliche Siedlungsexpansion in Witzhelden schließen. Die gefundenen farbigen Wandverputzreste sowie Stücke von Glasfenstern und einer dünnen Säule deuten auf eine relativ aufwändige Kirche hin.

Risse im Gewölbe und ein Abrutschen der Grundmauern zwangen im Jahre 1767 Pfarrer Pollmann im Einvernehmen mit dem Presbyterium zum Abriss der Kirche. Unter großen Opfern der Gemeinde, welche teils durch Geldspenden, teils durch Lieferung von Materialien oder durch freiwillig geleistete Arbeitsstunden aufgebracht wurden, ist bis zum Jahre 1773, also mit einem Zeitaufwand von sechs Jahren, ein neues, noch heute vorhandenes Gotteshaus gebaut worden. Leider konnte Pastor Pollmann die Vollendung seines Werkes nicht mehr erleben. Er starb am 21. März 1772. Vor dem Abriss des alten Gebäudes fertigte der Landmesser Johann Peter Tesche eine genaue Zeichnung der abzureißenden Kirche an.

Im Laufe der folgenden Jahre, noch bis heute, wurden immer wieder Restaurierungen an Kirche und Turm vorgenommen.

So musste im Jahre 1905 die alte Orgel, die über dem Altar ihren Standort hatte, entfernt werden. Pfarrer Liebig und das Presbyterium beschlossen, die neue Orgel auf der Empore an der Turmseite aufstellen zu lassen. Nun aber wirkte die Wand über dem Altar kahl und leer, deshalb ließ man ein rundes buntes Fenster - eine Christusrose - einbauen.

Die im Jahre 1904 beschafften neuen Öfen wurden im November 1951 durch eine elektrische Fußrastenheizung ersetzt.

Bei Restaurierungsarbeiten des Turmes 1971/72 wurde die alte gegen eine neue Türe ausgetauscht. Die Außenseite schmückt eine Figurengruppe, die das kirchliche Leben im Laufe des menschlichen irdischen Daseins darstellt. Die Innentürgriffe sind Fisch und Efeu. Der Turm war lange Jahre mit seit 1890 gepflanztem Efeu bewachsen, der aber 1949 entfernt wurde.

Umfangreiche Restaurierung

Eine umfangreiche Restaurierung der Kirche fand in den Jahren 1975 - 1982 statt. In dieser Zeit wurde auch das Südportal neu gestaltet. Inmitten des symbolisch dargestellten Universums als Türgriff sind Adam und Eva zu erkennen.

Bei den anlässlich der Renovierung gemachten Ausgrabungen wurden zahlreiche Grablegungen freigelegt. Hierbei handelt es sich um Angehörige der Rittersitze Bechhausen und Herscheid, Pfarrer sowie angesehene Bürger der Gemeinde. Noch heute sind in der Kirche die Totenschilde des letzten Freiherrn von Hücking und seiner Gemahlin aus Bechhausen zu sehen.

Der Ort Witzhelden ist bereits 1184 urkundlich belegt, die Kirche, HENRICUS geweiht, jedoch wird erst 1255 als dem Kölner Gereonsstift unterstellt, erwähnt.

Einer der ersten Geistlichen war ein gewisser Heidenreich, der ums Jahr 1241 hier lebte. Am 20. April 1559 wurde Gottschalk Rahm oder Ramäus, ein Kaufmannssohn aus Lennep, hier Pfarrer. Er führte zwischen 1560 und 1570 in Witzhelden die Reformation ein. Die Gemeinde wird heute von Stephan Schneider als 22. Pfarrer nach der Reformation betreut.

Die alten Kirchenglocken von 1435 und 1451 und die neue Glocke, 1997 vom Kirchbauverein e.V. Witzhelden gestiftet, rufen die Gläubigen zum Gottesdienst, erklingen zu Hochzeiten und Taufen, und sie begleiten die Verstorbenen auf ihrem letzten Weg zum Gottesacker.

Hebräische Inschrift

Über dem Seitenportal der Kirche befindet sich eine hebräische Inschrift des Alten Testaments aus dem Jahr 1768. Es handelt sich um einen Ausruf aus dem Prophetenbuch Hesekiel (Ezechiel) in Kapitel 48 Vers 35 (PR+EZECC+48 V 35) wo es heißt: “Und als dann soll die Stadt genannt werden: Hier ist der HERR.” was im hebräischen Originaltext der Bibel „Jahwe Schammah“ heißt: der allgegenwärtige Gott. Das ist einer der vielen Namen Gottes im Alten Testament, die Gottes Wesen beschreiben. Es bedeutet, dass der Herr gegenwärtig ist, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind und wir Gemeinschaft und eine persönliche Begegnung mit ihm haben können.

Das 48. Kapitel des Buches Hesekiel (Ezechiel) beschreibt die Aufteilung des heiligen Landes an die Stämme und die Namensgebung der Tore der Stadt. Es endet mit dem bereits zitierten “Hier ist der Herr”. Die Verwendung der hebräischen Sprache, der hebräischen Schriftzeichen, spricht für die enge Verbindung der evangelischen Gemeinde mit der Ursprache des Alten Testaments. Ähnliches finden wir an keiner anderen Kirche der Region.

Dass diese Schriftzeichen auch die Zeit des Nationalsozialismus überstanden haben, in der ja Juden und alles Jüdische und somit auch Hebräische verfolgt und schließlich vernichtet wurde, ist sehr bemerkenswert. Denn auch in Witzhelden gab es die Machtübernahme der NSDAP mit der Einsetzung von Parteimitgliedern aus Leichlingen als Bürgermeister.


Gemeindehaus und Küsterwohnung

Östlich der Kirche steht das im Jahre 1914 erbaute Gemeindehaus. Nachdem im August 1905 die alte Pfarrscheune, die auch eine Kateschierstube (Unterrichtsraum) beherbergte, abgebrannt war, beschlossen Pfarrer Schieferstein und das Presbyterium im Jahre 1913 ein Gemeindehaus zu bauen. Es sollte dem Konfirmanden- und Kateschumenenunterricht, sowie allen Gemeindegliedern als eine Stätte der Begegnung und Zuflucht dienen.

Neben der heute im Gemeindehaus vorhandenen Küsterwohnung wird der große Saal den vielfältigsten Aufgaben der evangelischen Gemeinde gerecht. Als da sind:
Unterweisung der Jugend in der christlichen Glaubenslehre, Presbyteriumssitzungen, Frauenhilfe, Frauentreff, Männertreff, Singkreis, Spieletreff, diverse Veranstaltungen der Erwachsenenbildung, einmal im Monat trifft sich der Bürgerstammtisch, das "Cafe Vergissmeinnicht" trifft sich zweimal im Monat und die Witzheldener Kinderkirche (WiKi) ist seit 2009 einmal im Monat zu Besuch. 

Ebenso ist der Kindergarten eine Einrichtung der Kirchengemeinde. Nicht zu vergessen sind die Schwestern der Diakonie- Sozialstation; ebenfalls ein sehr wichtiger Aufgabenbereich der evangelischen Kirche.

Um die immer wieder anfallenden Renovierungsarbeiten bewältigen und finanzieren zu können, die nun einmal bei einer so alten Dorfkirche notwendig werden, wurde der Kirchbauverein e.V. 1977 gegründet.

 

Quelle: Archiv Lore May, Heider Weg 31, 42799 Leichlingen

 

Das Rittergut Bechhausen

Im Jahre 1184 wurde der Ort Witzhelden zum ersten Mal urkundlich bezeugt. Die Kirche Henricus wird 1235 erwähnt. Als Entstehungszeitraum Witzheldens kann also das 12. und 13. Jahrhundert angegeben werden.
Zu dieser Zeit begannen die Grafen von Berg, unter deren Herrschaft sich das gesamte Bergische Land befand (daher auch der Name Bergisches Land), mit der Besiedlung des unrentablen Waldgebietes rund um ihre Residenz Schloß Burg. die Grafen von Berg: Engelbert I.(gest. 1189, Adolf III. (gest. 1218 und Engelbert II. , Erzbischof von Köln (gest. 1225) sind also die Begründer des Dorfes Witzhelden.

Die Besiedlung geschah nicht zuletzt, um höhere Steuereinkünfte zu erzielen. Überall entstanden neue Bauernhöfe, Schleifkotten (an der Wupper) und Webersiedlungen. In den Raum des heutigen Witzheldens kamen Siedler aus dem Jülicher Land. Sie gründeten im Witzheldener Ortsteil Feld eine Webersiedlung. Witzhelden war also von Anfang an nicht hauptsächlich agrarwirtschaftlich ausgerichtet, sondern entstand auch durch die Ansiedlung von Heimindustrie.
Von Beginn des 15.Jahrhunderts an entstanden in und um Witzhelden eine Vielzahl von Rittersitzen, so in Herscheid, Höhscheid, Oberwietsche, Grünscheid, Diepental und Bechhausen. Die einst freien Bauern waren nun diesen neuen Herren lehnspflichtig. Heute zeugen nur noch wenige Reste der Befestigungsanlagen oder sonstiger Baulichkeiten von den damals dort ansässigen Adelsgeschlechtern.

Das Rittergeschlecht von Quad

Das Wappen des Adelsgeschlechtes von Quadt

Im 13. Jahrhundert datieren die ersten Nachrichten über Rittersitze im Bergischen Land. Wie die bergische Ritterschaft überhaupt, entstammen auch sie unfreien Ministerialengeschlechtern (ministeriale = Dienstmann) aus dem Gefolge der Grafen von Berg, für die sie vor allem Waffen- und Verwaltungs- dienste leisteten. Für treue Gefolgschaft wurden sie mit freiadeligen Rittersitzen belehnt und mit vielen Vorrechten belohnt. Das Bechhauser Ministerialengeschlecht war die Ritterfamilie von Quad(t).
Sie können die Gründer und ersten Eigentümer des Rittersitzes Bechhausen im 13. Jahrhundert gewesen sein. Es mögen aber durchaus auch Raubritter gewesen sein, die sich damit befassten, die damals auf der durch Witzhelden führenden Straße ziehenden Kaufleute zu überfallen und auszuplündern. Die Tür zum Wohnhaus der Familie Hücking.

Bechhausen war ein Allodial- und Herrensitz, also - im Gegensatz zu einem Lehnsgut - ein freies Eigengut. Die Ortschaft Bechhausen, die sich um das Rittergut entwickelt hat, ist um das Quellgebiet des Krähwinkler Bachs, eines der Quellläufe des Weltersbachs, angesiedelt. Der Rittersitz hat auf der Sohle des Wannentals gelegen, das von der Witzheldener Höhe östlich und von dem Herscheider Rücken westlich begrenzt wird. Dort, wo einst das alte Burghaus stand, erhebt sich heute das hohe Haus mit spitzgiebeligem Dach.

Zerstörung der Wasserburg

Der Rittersitz Bechhausen war eine Wasserburg, deren Wassergraben von einem Weiher gespeist wurde, der noch heute unweit des ehemaligen Rittersitzes liegt, allerdings nur schwer zugänglich ist. Die Wasserburg ist im 18. Jahrhundert abgebrannt.
Im 15. Jahrhundert waren die Edlen von Diepental Besitzer des “Hauses an der Blech”. Eine Margarete von Diepental brachte es durch Heirat an das Geschlecht von der Sülzen. Am 4.Oktober 1443 fiel Bechhausen einem Wilhelm von der Sülzen erblich zu. Danach haben die von Huicking das Burghaus über Generationen besessen.

Nicht nur im 30 jährigen Krieg, sondern auch in den französischen Raubkriegen hat Bechhausen wie überhaupt das Bergische Land trübe und dunkle Zeiten erlebt. 1672 stürmten die Franzosen die Burg. Bei diesem Überfall fand Heinrich Kraft von Huicking den Tod. In einem Schuldbrief von 1673 wird diese schreckliche Zeit erwähnt. Darin heißt es: “Ich, Hans Meinhard von Huicking zu Bechhausen und meine sämtlichen Kinder, Johann, Henrich, Johann Adam und Anna Sybilla zeugen und bekennen hiermit, nachdem im Jahre 1672 die französischen Völker uns ganz ausgeplündert haben und wir zur Wiederanmachung einigen Beistandes an Geld nöthig gehabt - nahmen auf Phillipi und Jakobi Tag 1673 von Peter Heuß auf der Heiden im Kirchspiel Wermelskirchen 200 Reichstaler auf das Allodialgut Bechhausen.”

Witzhelden und somit auch Bechhausen ist im 17. und 18. Jahrhundert wiederholt durch Kriege und Feuersbrünste zerstört worden. Das Rittergut musste mehrfach erneuert und/oder wieder aufgebaut werden.

Der alte Rittersitz der Familie von Hücking heute: Wenig erinnert noch an den alten Rittersitz Bechhausen.

Das Adelsgeschlecht derer von Huicking

War der Rittersitz Bechhausen die Urzelle der Gemeinde Witzhelden? Mit dieser Frage beschäftigen sich Historiker und Heimatforscher seit Jahrzehnten. Diese Vermutung wird allerdings durch die Tatsache genährt, dass in der Witzheldener Kirche lange Zeit das Erbbegräbnis der Bechhausener Grundherren lag. “Das erste Kirchlein wird ursprünglich die Kapelle des Rittersitzes gewesen sein”, vermutete der Leichlinger Heimatforscher Fritz Hinrichs in einer 1938 veröffentlichten Studie über Bechhausen. “Als dann im Laufe der Zeit im Umkreis der Kirche stärker gesiedelt wurde, musste das Gotteshaus erweitert werden. Bald bauten sich Handwerker und Geschäftsleute in der Nähe der Kirche an. So entstand das Kirchdorf Witzhelden.
Über 200 Jahre lebte die Familie von Huicking in Bechhausen. Davon zeugt eine alte Schrift:

Wegen eines Rechtstreites um den Besitzanspruch über ein Werth (Insel) in der Wupper bedurften die Streitenden eines Zeugnisses darüber, wie es in den Vorzeiten - "undenklichen Jahren" - an der Wupper ausgesehen hatte. Dieses Zeugnis erhielten die Kläger im Jahre 1696 von Johann von Huicking und Johann Adam von Huicking zu Bechhausen in der Gemeinde Witzhelden. Sie bestätigten "bei ihrer adligen Ehre", dass das in Rede stehende Werth vor sehr vielen Jahren kein Werth gewesen, sondern das Land vom Bechhauser konsolidiert, nachgehend durch Wasser geteilt und zum Werth geworden sei. 165 Jahre sei das Land, wie im einzelnen erwähnt wird, im Besitz der Familie Huicking gewesen, als sogenanntes Bechhauser Werth. (Quelle: Geschichte des Balkhauser Kottens)

Tür zum ehemaligen Rittersitz in Bechhausen. Türinschrift: “Die Hochwohlgebohrene Freyfrau verwittibte von Hücking gebohrene von Bawyr und Ihre samptliche Kinder haben dieses frey Adeliches Hauß Ao 1720 gebaut den 12. July hiehin gesetzt Der Herr behüte unsern auß- und eingang von nun an bis in ewigkeit. Psalm 121-V 8.”

Heirat mit drei Witzheldener Pfarrern

Der Name Hücking (jetzt mit “ü” geschrieben) taucht im Zusammenhang mit einer Heirat noch einmal auf. Im Jahre 1712 heiratet Franz Gerhard, Herr zu Diepental die Anna Klara von Hücking. Wie schon erwähnt, war Diepental damals auch ein Rittersitz.
In einem anderen Bericht über die Familie wird berichtet, dass die älteste Tochter der Maria Katherina von Huicking, Charlotte Sophia Maria, nacheinander drei Witzheldener Pfarrer heiratete: Heinrich Pollmann, Anton Melchior Wonne und Christian Pollmann.

Bechhausen hatte eine eigene Jagd und Fischerei. Der Bechhauser Jagdbezirk galt als einer der größten weit und breit. Zur Fischerei des Herrensitzes gehörten sieben Bäche. Eine Notiz aus dem Jahr 1762 besagt, dass der damalige Eigner das Jagen, Fischen und Krebsstehlen in seiner zum Hause Bechhausen gehörenden Jagd unter 25 Gulden Strafe verbieten ließ.

Die Kirche birgt zwei Totenschilde

Die Herren von Bechhausen hatten ihren Stuhl und ihre Gruft in der Witzheldener Kirche. Auskunft darüber gibt eine Urkunde aus dem Jahre 1682: “Das Haus Bechhaus hat in der Kirche zu Witzhelden einen Stuhl auf dem Chor für die Hochwohlgeborenen, darinnen zwei oder drei sitzen können, und rechter Hand des Stuhles einen Stuhl für die Frau, darinnen gleichfalls drei sitzen können. Hinter der Frau Stuhl zwei Frauenbänke, auf einer sitzen ihre Mägde und auf der anderen die Halfmännigen (Frauen der Pächter), deren Mägde und Kinder. Gleichfalls ein Begräbnisplatz auf dem Chor, so vor des Junkers Stuhl angehet bis auf vier Stück Fuss nahe an das Altar.”
Zu den historischen Kostbarkeiten der über 800 Jahre alten evangelischen Kirche in Witzhelden zählen zwei Totenschilde aus der Mitte des 18.Jahrhunderts. Damals war es üblich, dass für den Letzten eines Geschlechts oder einer Familie nach dessen Ableben ein Totenschild gefertigt wurde. Die beiden Totenschilde in der Witzheldener Kirche sind den Eheleuten Hücking gewidmet, mit deren Ableben die Familie ausstarb. Die Eheleute sind auch in der Kirche bestattet worden. Eine der beiden gut erhaltenen Totentafeln erinnert an das Ableben der “hochwohlgebohrenen Charlotha Sophia Hücking, Freifraw zu Bechhausen”, die am 30. April 1740 im Alter von 81 Jahren gestorben ist und die andere an deren bereits im Jahre 1704 verstorbenen Ehemann.

Nach dem Tod der Freifrau Hücking wurde das Gut unter den Erben aufgeteilt und ein zweiter Gutshof unweit des ehemaligen Rittersitzes erbaut, der noch fast unversehrt erhalten ist.

(Quellen: Schrift “800 Jahre Witzhelden”, von Hans Werner Hinrichs, Kalender 100 Jahre Sparkasse Leichlingen”, 1984, Text H.W. Hinrichs)

 

Sagenhaftes Brachhausen

Der Hof Brachhausen

Auch diese Witzheldener Ortschaft wurde bereits sehr früh urkundlich erwähnt.
Im Heberegister des Stiftes Gerresheim ist vorgemerkt, dass im Jahre 1218 ein „Hartleyf de Brachusen“ dorthin abgabepflichtig sei. Das es sich hierbei um den Inhaber des Gutes Brachhausen handelte, liegt nahe, da unmittelbar vorher in derselben Rolle ein „Guntherus de Bechusen“ aufgeführt wird.
Belegt ist jedoch eine Erbpachtverschreibung aus dem Jahre 1359, wonach Brachhausen im Besitz des Grafen Godhart zu Jülich, von dem Berg und Ravensberg war und er den Hof Brachhausen an einen Schmied Namens Tilmann von Eyperkausen (Eipringhausen bei Wermelskirchen) verpachtete. Als Pachtzins musste am St. Martinstag oder spätestens vier Wochen danach 14 Malter guten Hafer gezahlt werden. Gleichzeitig mit dem Hof hatte sich der Pächter auch um die gräflichen Waldungen zu kümmern, da der Hof gleichzeitig auch Jagdgut war. Als Entschädigung erhielt der Pächter das Recht Holz für Brand und Zäune zu fällen
Eines der älteren Wohnhäuser aus dem 19.Jahrhundert. .

Wie bei anderen Gütern auch, so wurde der Hof in Brachhausen im Laufe der Zeit geteilt. Im Jahr 1590 werden schon drei Höfe mit den Pächtern Birtz Johan, Henrich Tesch und Ermert Becker erwähnt. Wobei der vorgenannte Pachtvertrag weiterhin gültig blieb. Erst im Jahre 1832 wurden mit den damaligen Besitzern, Hermann Peckelein, Johann Heinrichs, Heinrich W. Peters, Joh. Peter Houtz und Peter Joh. Wilms, Ablöseverträge geschlossen. Bis es soweit war vergingen noch drei Jahre. Entsprechend zahlten die Eigentümer bis zu diesem Zeitpunkt Ihrem Anteil angemessen immer noch den Wert von 14 Malter Hafer, wobei irgendwann die auf Brachhausen lastende Haferrente durch Geld abgelöst wurde.
Stall einer alten Hofanlage mit originalem Lehm-Fachwerk.

 Eines der ältesten Fachwerkhäuser in Witzhelden

Das 1987-89 renovierte alte Fachwerkhaus.Das Haus steht unter Denkmalschutz.
1832 gab es in Brachhausen 9 Wohnhäuser mit 42 Einwohnern. Der Familie Peters gehörte der alte Jagdsitz, welcher in den Jahren 1987 bis 1989 renoviert wurde, von dem jetzigen Besitzer Karl Zimmermann durchgeführt. Das Haus wurde schätzungsweise im ersten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts errichtet. Es ist eines der ältesten Fachwerkhäuser in Witzhelden. Das Haus weist die typischen Merkmale eines mitteldeutschen Querdielenhauses auf. Ständerbauweise mit Ankerbalken, überlattete Streben, fehlen einer Kaminwand, sowie Spuren einer Rauchbühne. Bei der Restaurierung wurde Wert auf ursprüngliche Materialien gelegt; Bruchstein für Keller und Sockel, Lehmausfachung, Hohlpfannen mit Strohdecken, kleine Fensterformate mit Bleisprossen und Kalkputz innen und außen. Das Ergebnis ist in Brachhausen zu bewundern..

 

Das Haus während der Renovierungsphase.


Eigene Begräbnisstätte in Brachhausen?

Vor dem Kellerloch eines anderen Hauses in Brachhausen wurde die Hälfte eines alten Grabsteines als Schutz benutzt. Viel konnte man nicht erkennen, da der Stein leider zerbrochen war. Es war jedoch ein unbekanntes Wappen zu erkennen, welches keinem bekannten Rittergeschlecht zugeordnet werden konnte.
Es besteht auch die Möglichkeit, dass es sich um ein Hauswappen handelte. Der Brauch solcher Zeichen ist schon uralt. Da es um 1200 in Witzhelden noch keine geschlossene Dorfsiedlung mit Kirche und Friedhof gab,besteht die Möglichkeit, dass zum Hof eine eigene Begräbnisstätte gehörte. Man könnte auch von der Annahme ausgehen, dass dieser Grabstein auf dem alten Witzheldener Friedhof stand und bei Abräumung des Grabes von späteren Nachkommen wieder nach Brachhausen geholt wurde. Heute findet man diesen Grabstein leider nicht mehr in Brachhausen. Es wurde aber ein weiterer Grabstein gefunden, auf dem die Jahreszahl 1675, sowie der Name Johann Jochen zu Brachhausen zu lesen ist.

Geschichten und Sagen

Um die Ortschaft Brachhausen ranken sich noch weitere Geschichten und Sagen.
So sollen in den Wäldern rings um Brachhausen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhundert noch Zigeuner in Erdlöchern gelebt haben. Die Sage jedoch bevölkert diese Erdlöcher mit Zwergen. Diese Unterirdischen waren den Einwohnern von Brachhausen gefällige Nachbarn. Mangelte es den dortigen Bewohnern an Hausrat, so entlieh man denselben von den Zwergen. Die Menschen waren den kleinen Leuten aber auch dankbar für ihre Gefälligkeiten. Brachten sie z.B. einen großen Kessel, dessen sie oft bedurften, so ließen sie für die Zwerge einige Weißbrote darin zurück. Einmal vertauschte aber ein böser Bube die Gottesgabe mit einem ungenießbaren Haufen. Das erregte den Zorn der Zwerge, sie verwünschten nun das Gehöft, solange Brachhausen existieren würde, sollte es nicht ohne einen lahmen Menschen sein.

Ob es wirklich einmal so war?

Brachhausen heute: Startpunkt für Ausflüge und Wanderungen

Brachhausen ist heute, wie viele Ortschaften, reine Wohnstätte für Menschen, die außerhalb arbeiten. Die Ortschaft liegt am Rand des großen Waldgebietes rund um die Sengbachtalsperre. Es ist beliebt bei vielen Ausflüglern, die zur Sengbachtalsperre oder nach Schloß Burg wandern und die Natur genießen wollen. Brachhausen ist ein Startpunkt der vielfältigen Wanderrouten um das Höhendorf Witzhelden.
Lebten hier die hilfreichen Zwerge?


Quellen: Straßen und Ortschaften in Leichlingen/ Sagenhaftes Leichlingen – H.W. Hinrichs,
Kölner Stadtanzeiger 7.10.1987, Archiv Lore May

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