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Das Rittergut Bechhausen

Im Jahre 1184 wurde der Ort Witzhelden zum ersten Mal urkundlich bezeugt. Die Kirche Henricus wird 1235 erwähnt. Als Entstehungszeitraum Witzheldens kann also das 12. und 13. Jahrhundert angegeben werden.
Zu dieser Zeit begannen die Grafen von Berg, unter deren Herrschaft sich das gesamte Bergische Land befand (daher auch der Name Bergisches Land), mit der Besiedlung des unrentablen Waldgebietes rund um ihre Residenz Schloß Burg. die Grafen von Berg: Engelbert I.(gest. 1189, Adolf III. (gest. 1218 und Engelbert II. , Erzbischof von Köln (gest. 1225) sind also die Begründer des Dorfes Witzhelden.

Die Besiedlung geschah nicht zuletzt, um höhere Steuereinkünfte zu erzielen. Überall entstanden neue Bauernhöfe, Schleifkotten (an der Wupper) und Webersiedlungen. In den Raum des heutigen Witzheldens kamen Siedler aus dem Jülicher Land. Sie gründeten im Witzheldener Ortsteil Feld eine Webersiedlung. Witzhelden war also von Anfang an nicht hauptsächlich agrarwirtschaftlich ausgerichtet, sondern entstand auch durch die Ansiedlung von Heimindustrie.
Von Beginn des 15.Jahrhunderts an entstanden in und um Witzhelden eine Vielzahl von Rittersitzen, so in Herscheid, Höhscheid, Oberwietsche, Grünscheid, Diepental und Bechhausen. Die einst freien Bauern waren nun diesen neuen Herren lehnspflichtig. Heute zeugen nur noch wenige Reste der Befestigungsanlagen oder sonstiger Baulichkeiten von den damals dort ansässigen Adelsgeschlechtern.

Das Rittergeschlecht von Quad

Das Wappen des Adelsgeschlechtes von Quadt

Im 13. Jahrhundert datieren die ersten Nachrichten über Rittersitze im Bergischen Land. Wie die bergische Ritterschaft überhaupt, entstammen auch sie unfreien Ministerialengeschlechtern (ministeriale = Dienstmann) aus dem Gefolge der Grafen von Berg, für die sie vor allem Waffen- und Verwaltungs- dienste leisteten. Für treue Gefolgschaft wurden sie mit freiadeligen Rittersitzen belehnt und mit vielen Vorrechten belohnt. Das Bechhauser Ministerialengeschlecht war die Ritterfamilie von Quad(t).
Sie können die Gründer und ersten Eigentümer des Rittersitzes Bechhausen im 13. Jahrhundert gewesen sein. Es mögen aber durchaus auch Raubritter gewesen sein, die sich damit befassten, die damals auf der durch Witzhelden führenden Straße ziehenden Kaufleute zu überfallen und auszuplündern. Die Tür zum Wohnhaus der Familie Hücking.

Bechhausen war ein Allodial- und Herrensitz, also - im Gegensatz zu einem Lehnsgut - ein freies Eigengut. Die Ortschaft Bechhausen, die sich um das Rittergut entwickelt hat, ist um das Quellgebiet des Krähwinkler Bachs, eines der Quellläufe des Weltersbachs, angesiedelt. Der Rittersitz hat auf der Sohle des Wannentals gelegen, das von der Witzheldener Höhe östlich und von dem Herscheider Rücken westlich begrenzt wird. Dort, wo einst das alte Burghaus stand, erhebt sich heute das hohe Haus mit spitzgiebeligem Dach.

Zerstörung der Wasserburg

Der Rittersitz Bechhausen war eine Wasserburg, deren Wassergraben von einem Weiher gespeist wurde, der noch heute unweit des ehemaligen Rittersitzes liegt, allerdings nur schwer zugänglich ist. Die Wasserburg ist im 18. Jahrhundert abgebrannt.
Im 15. Jahrhundert waren die Edlen von Diepental Besitzer des “Hauses an der Blech”. Eine Margarete von Diepental brachte es durch Heirat an das Geschlecht von der Sülzen. Am 4.Oktober 1443 fiel Bechhausen einem Wilhelm von der Sülzen erblich zu. Danach haben die von Huicking das Burghaus über Generationen besessen.

Nicht nur im 30 jährigen Krieg, sondern auch in den französischen Raubkriegen hat Bechhausen wie überhaupt das Bergische Land trübe und dunkle Zeiten erlebt. 1672 stürmten die Franzosen die Burg. Bei diesem Überfall fand Heinrich Kraft von Huicking den Tod. In einem Schuldbrief von 1673 wird diese schreckliche Zeit erwähnt. Darin heißt es: “Ich, Hans Meinhard von Huicking zu Bechhausen und meine sämtlichen Kinder, Johann, Henrich, Johann Adam und Anna Sybilla zeugen und bekennen hiermit, nachdem im Jahre 1672 die französischen Völker uns ganz ausgeplündert haben und wir zur Wiederanmachung einigen Beistandes an Geld nöthig gehabt - nahmen auf Phillipi und Jakobi Tag 1673 von Peter Heuß auf der Heiden im Kirchspiel Wermelskirchen 200 Reichstaler auf das Allodialgut Bechhausen.”

Witzhelden und somit auch Bechhausen ist im 17. und 18. Jahrhundert wiederholt durch Kriege und Feuersbrünste zerstört worden. Das Rittergut musste mehrfach erneuert und/oder wieder aufgebaut werden.

Der alte Rittersitz der Familie von Hücking heute: Wenig erinnert noch an den alten Rittersitz Bechhausen.

Das Adelsgeschlecht derer von Huicking

War der Rittersitz Bechhausen die Urzelle der Gemeinde Witzhelden? Mit dieser Frage beschäftigen sich Historiker und Heimatforscher seit Jahrzehnten. Diese Vermutung wird allerdings durch die Tatsache genährt, dass in der Witzheldener Kirche lange Zeit das Erbbegräbnis der Bechhausener Grundherren lag. “Das erste Kirchlein wird ursprünglich die Kapelle des Rittersitzes gewesen sein”, vermutete der Leichlinger Heimatforscher Fritz Hinrichs in einer 1938 veröffentlichten Studie über Bechhausen. “Als dann im Laufe der Zeit im Umkreis der Kirche stärker gesiedelt wurde, musste das Gotteshaus erweitert werden. Bald bauten sich Handwerker und Geschäftsleute in der Nähe der Kirche an. So entstand das Kirchdorf Witzhelden.
Über 200 Jahre lebte die Familie von Huicking in Bechhausen. Davon zeugt eine alte Schrift:

Wegen eines Rechtstreites um den Besitzanspruch über ein Werth (Insel) in der Wupper bedurften die Streitenden eines Zeugnisses darüber, wie es in den Vorzeiten - "undenklichen Jahren" - an der Wupper ausgesehen hatte. Dieses Zeugnis erhielten die Kläger im Jahre 1696 von Johann von Huicking und Johann Adam von Huicking zu Bechhausen in der Gemeinde Witzhelden. Sie bestätigten "bei ihrer adligen Ehre", dass das in Rede stehende Werth vor sehr vielen Jahren kein Werth gewesen, sondern das Land vom Bechhauser konsolidiert, nachgehend durch Wasser geteilt und zum Werth geworden sei. 165 Jahre sei das Land, wie im einzelnen erwähnt wird, im Besitz der Familie Huicking gewesen, als sogenanntes Bechhauser Werth. (Quelle: Geschichte des Balkhauser Kottens)

Tür zum ehemaligen Rittersitz in Bechhausen. Türinschrift: “Die Hochwohlgebohrene Freyfrau verwittibte von Hücking gebohrene von Bawyr und Ihre samptliche Kinder haben dieses frey Adeliches Hauß Ao 1720 gebaut den 12. July hiehin gesetzt Der Herr behüte unsern auß- und eingang von nun an bis in ewigkeit. Psalm 121-V 8.”

Heirat mit drei Witzheldener Pfarrern

Der Name Hücking (jetzt mit “ü” geschrieben) taucht im Zusammenhang mit einer Heirat noch einmal auf. Im Jahre 1712 heiratet Franz Gerhard, Herr zu Diepental die Anna Klara von Hücking. Wie schon erwähnt, war Diepental damals auch ein Rittersitz.
In einem anderen Bericht über die Familie wird berichtet, dass die älteste Tochter der Maria Katherina von Huicking, Charlotte Sophia Maria, nacheinander drei Witzheldener Pfarrer heiratete: Heinrich Pollmann, Anton Melchior Wonne und Christian Pollmann.

Bechhausen hatte eine eigene Jagd und Fischerei. Der Bechhauser Jagdbezirk galt als einer der größten weit und breit. Zur Fischerei des Herrensitzes gehörten sieben Bäche. Eine Notiz aus dem Jahr 1762 besagt, dass der damalige Eigner das Jagen, Fischen und Krebsstehlen in seiner zum Hause Bechhausen gehörenden Jagd unter 25 Gulden Strafe verbieten ließ.

Die Kirche birgt zwei Totenschilde

Die Herren von Bechhausen hatten ihren Stuhl und ihre Gruft in der Witzheldener Kirche. Auskunft darüber gibt eine Urkunde aus dem Jahre 1682: “Das Haus Bechhaus hat in der Kirche zu Witzhelden einen Stuhl auf dem Chor für die Hochwohlgeborenen, darinnen zwei oder drei sitzen können, und rechter Hand des Stuhles einen Stuhl für die Frau, darinnen gleichfalls drei sitzen können. Hinter der Frau Stuhl zwei Frauenbänke, auf einer sitzen ihre Mägde und auf der anderen die Halfmännigen (Frauen der Pächter), deren Mägde und Kinder. Gleichfalls ein Begräbnisplatz auf dem Chor, so vor des Junkers Stuhl angehet bis auf vier Stück Fuss nahe an das Altar.”
Zu den historischen Kostbarkeiten der über 800 Jahre alten evangelischen Kirche in Witzhelden zählen zwei Totenschilde aus der Mitte des 18.Jahrhunderts. Damals war es üblich, dass für den Letzten eines Geschlechts oder einer Familie nach dessen Ableben ein Totenschild gefertigt wurde. Die beiden Totenschilde in der Witzheldener Kirche sind den Eheleuten Hücking gewidmet, mit deren Ableben die Familie ausstarb. Die Eheleute sind auch in der Kirche bestattet worden. Eine der beiden gut erhaltenen Totentafeln erinnert an das Ableben der “hochwohlgebohrenen Charlotha Sophia Hücking, Freifraw zu Bechhausen”, die am 30. April 1740 im Alter von 81 Jahren gestorben ist und die andere an deren bereits im Jahre 1704 verstorbenen Ehemann.

Nach dem Tod der Freifrau Hücking wurde das Gut unter den Erben aufgeteilt und ein zweiter Gutshof unweit des ehemaligen Rittersitzes erbaut, der noch fast unversehrt erhalten ist.

(Quellen: Schrift “800 Jahre Witzhelden”, von Hans Werner Hinrichs, Kalender 100 Jahre Sparkasse Leichlingen”, 1984, Text H.W. Hinrichs)

 

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