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Eine der ältesten Ortschaften

Flamerscheid gehört zu den ältesten Ortschaften Witzheldens. Die Bezeichnung Flamerscheid leitet sich vermutlich von dem einstigen Rittersitz Flamersheim, dem heutigen Herscheid ab. Nachzulesen in Straßen und Ortschaften in Leichlingen von 1998 kann aber auch die Bezeichnung von Scheid, ald. Scede = Ende, Grenze, Wasserscheid der Namensgeber sein, evtl. auch der Begriff der Urbarmachung, Rodung. Da im Namen “Flamer” das Wasserwort “Flam” = Schlick, Morast zufinden ist, wäre hier evtl. eine Erklärung möglich, dass morastiges Gebiet urbar gemacht wurde. Aufgrund des hohen Grundwasserspiegels ist dies eine plausibele Erklärung.

Der Alte Hof

Urkundlich erstmalig erwähnt ist Flamerscheid 1405. Der Alte Hof soll einem Edeln Ullrich von Hemmersbach gehört haben, welcher diesen nach 1150 dem Zisterzienserkloster Himmerode schenkte. Die Schenkung belegt die Bulle Lucius III. vom 14.10.1184.

(Original im Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 96, Nr. 27)

Von diesem Edlen von Hemmersbach hat vermutlich auch der Bach seinen Namen erhalten- Hemmersbach oder heute Hammersbach, der in Höhe der Kläranlage an der Straße in Richtung Glüder in den Sengbach mündet.

Flamerscheid war dem Grafen von Berg zinspflichtig, lt. Hebebuch von Haus Nesselrath aus dem Jahre 1605 steht wörtlich:
“Peter, und Peters, auch Daem zusammen von dem gutt zu flamerscheidt und hanacker (Hanacker= eine Flurbezeichnung) 2 mlr. 3 sbrj.”
In den Aufzeichnungen von W. Ohligschläger wird 1643 in Flamerscheid ein Paulus erwähnt und im Burger Lagerbuch von 1690 geht hervor, daß Abgaben an die Kellnerei in Burg gezahlt werden mußten.
Wörtlich steht dort: “Uff Flamerscheid der Pickelein, Paulus allda Gradt Tesche und Everts Gridgen – 2 Huner und 2 Raderschlg.”
(Raderschlag kommt aus der Mainzer Münze, in Anlehnung an das Mainzer Wappen mit dem Rad)

Die Ortsbezeichnung Flamerscheid ist zur damaligen Zeit sowohl in der Schreibweise mit “doppel M” und “DT” sowie in der heutigen Schreibweise in den Urkunden anzutreffen. In den Ohligschlägerschen Aufzeichnungen ist unter dem 12.3.1710 eine Mitteilung zu finden, daß ein Johann Georg Killing und Miterben Eigentümer des freien Gutes Flamerscheid sind. Eine Notiz aus dem Jahre 1714 sagt mehr. Hier wird erwähnt, daß der Hans (oder Johann) Georg Killing von dem Bürgermeister von Burg Joh. von Hagen, Geld aufnimmt, und dafür sein freies Gut, der “Alte Hof” genannt, verpfändet. Diesen Hof hätte er von seinen Eltern, resp. Schwiegereltern, die ihn von dem abgelebten M. v. Hüking (Besitzer des Rittergutes Bechhausen) gekauft hätten, erhalten. Flamerscheid gehörte demnach von 1714 zum Rittergut Bechhausen, war also in adeligem Besitz. Wie bekannt ist, waren die ersten Besitzer von Bechhausen die Herren von Quad. Hat das Kloster Himmerod sein Eigentum in Witzhelden, evtl. der großen Entfernung wegen, nicht wie vermutet dem Kloster Heisterbach, sondern an die von Quad verkauft?

In einer Herscheider Urkunde vom 27.2.1732 wird ein Mönchsgut Flamerscheid erwähnt, welches an Herscheid zu Martini ein Huhn geben mußte. Herscheid war ebenfalls Rittersitz. Eine weitere Aufzeichnung besagt, daß im Jahre 1751 der freie Hof Flamerscheid einem Wilhelm Küpper gehörte und 19 Morgen groß war; 1795 heißt es aber wieder Killingsgut, ebenfalls 19 Morgen groß. Hier handelt es sich offenbar um den gleichen Hof, denn eine Catharina Küpper hat 1755 Johann Peter Killing geheiratet, der ein Sohn des Hans Georg Killing war.

Vater versucht Sohn vor dem Militär zu bewahren

Nachstehende Begebenheit spiegelt die sozialen und politischen Gegebenheiten der damaligen Zeit wider: “Am 12. Juli 1808 hatten 16 west- und süddeutsche Staaten den “Rheinbund” geschlossen und sich damit in die Abhängigkeit Napoleons gegeben. Sie verpflichteten sich, im Falle eines Krieges 63.000 Mann für Napoleon zu stellen.

Der Landmann Johann Peter Meyer aus Flamerscheid versuchte, seinen einzigen Sohn vor der Einziehung zum Militär zu bewahren. Er schrieb:

“Großherzogtum Berg
Bezirk Mülheim, Amt Miselohe.
Kierspiel Witzhelden, Ortschaft Flamerscheid.

Der Landmann Johann Peter Meyer
die körperlichen Mängel seines Sohnes Jakob, gebohren im Jahre 1789
demüthigst der Verehrtesten Rekrutierungsbehörde anzeigend.
den, October 1808.
Der Landmann Johann Peter Meyer an die geehrteste Rekrutierungs Behörde.

Die Conscriptions Gesetze fordern jeden Vater auf, die körperlichen Fehler seiner conscriptionspflichtigen Söhne anzuzeigen.
Ergebenst zeige ich daher an, daß mein Sohn Jakob, 1789 geboren, vor ungefähr 3 ½ Jahre eine schwere Krankheit ausgestanden hat. Als derselbe durch Hülfe des Arztes von derselben zu geneßen anfing, warf sich ihm ein Geschwür unter der Schulter aus, es dauerte 1 ½ Jahre, ehe dasselbe heilte, und kaum war es heil, so fand sich ein neues am Unterleibe. Vor ungefähr einem Jahr wurde zwar auch dieses durch angewandte Bäder heil, allein seitdem drücken ihn sehr oft solche fürchterlichen Schmerzen im Unterleibe, daß er auch nicht die geringsten Arbeiten verrichten kann. Sind diese Schmerzen überstanden, alsdann schwellen ihm die Beine auf. Meine demüthigste Bitte ergeht daher an Ew. Wohlgeboren den Arzt bey den vorsehenden Ziehung von diesen körperlichen Mängeln in Kenntniß zu setzen, damit derselbe seinen Zustand gehörig untersuche und Beurtheile, ob derselbe sich zum Militärdienste eigne oder nicht. Es würde ein großes Glück für mich seyn, wenn dieser mein einziger Sohn bey meinem eigenen körperlichen Anstande zu meiner Landwirthschaftlichen Arbeiten mir belassen würde, indem ich sonst nicht weiß. wie ich meine beyden alleine unerzogen Mädchen ernähren soll, da dieser mein Sohn jetzt die einzige Stütze meiner Familie ist.

Ich beharre indeß verehrungsvoll

Ew. Wohlgeboren
ergebenster
Johann Peter Meyer.

Dieser Brief brachte jedoch nicht den gewünschten Erfolg, da der Vater bereits im Dezember Briefe an Seinen Sohn Herrn Jacob Meyer, Chasseur in der 7ten Compagnie a Münster schickte.”

1829 gab es schon 13 Häuser

Im Laufe der Jahre ist das Gut unter Kinder und Kindeskinder aufgeteilt worden. Nach der Urkarte von 1829 standen schon 13 Häuser in Flamerscheid. Das Killingsgut gehörte Bertram Killing und seiner Frau Anna Maria geb. Bergfeld, Tochter des Johann Jacob Bergfeld aus Flamerscheid. Nach acht Jahren Ehe starb Anna Maria Killing an den Folgen eines Sturzes vom Kirschbaum. Bertram heiratete 1811 zum zweitenmal, und zwar die Anna Margaretha Aßmann aus Bern. Bertram Killing starb am 8.10.1837. Neben der Landwirtschaft betrieb er in einem Nebenhaus eine Knochenmühle, wahrscheinlich von Körperkraft – Mensch oder Tier – betrieben.

Mit Erbvertrag vom 13.10.1854 wurde der Besitz unter Bezugnahme auf einem am 20.10.1852 erstellten Situationsplan unter seine drei Kinder aufgeteilt.

Die Abteilung I bekam der Sohn Heinrich. Es handelt sich hier um das jetzige Haus Nr. 13.

Die Abteilung II erhielt die Tochter Henriette, verheiratet mit Gottfried Pulvermacher. Dies ist die heutige Haus Nr. 15.

Die Abteilung III wurde an die Tochter Carolina Killing vergeben. Dies sind die heutigen Häuser Nr. 9 + 11.

Bei der Aufteilung des Hauses handelte es sich noch um ein Haus, hier war wohl auch die Knochenmühle untergebracht.
Jedoch veräußerte Carolina Killing bereits vor 1864 das Anwesen an die Eheleute Eduard Adolphs und Ehefrau Anna Margaretha geb. Hermanns, denn lt. Vertrag vom 21.8.1864 verkauften die Eheleute Adolphs ihr Haus an die Gebrüder August und Gustav Steffens, wohnhaft in Scharweg und Flamerscheid. Im Vertrag vom 26.10.1866 wurde das Haus in zwei gleiche Teile geteilt und später verkauft. Vermutlich wurde durch die Teilung auch der Betrieb der Knochenmühle eingestellt.

Haus Nr. 9 wurde von Gustav Steffens am 24.7.1885 an August Hoppe verkauft.

Haus Nr. 11 wurde von der Fam. Steffens an Reinhard Berger verkauft – leider ist der Zeitpunkt nicht bekannt -. Berger verkaufte 1918 an Reinhard Wiedenhoff.

Flamerscheid Haus Solinger Str. Nr. 38

Im Jahre 1832 standen in Flamerscheid 17 Wohnhäuser, hierin lebten 28 Familien. Unter anderem auch das Haus an der Solinger Str. 38 – das Gründerhaus der Gebr. Wiedenhoff.

Der Haupterwerb war die Landwirtschaft, als Nebenerwerb wurde die Knochenmühle – bereits erwähnt – und eine Grützmühle, der Standort ist leider nicht näher erwähnt, betrieben. Es gab auch Weber und Holzschuhmacher.

Wasserversorgung durch Brunnen

Noch heute zu besichtigender Brunnen in Flamerscheid, Solinger Str.38.

Bis zum Jahre 1897 erfolgte die Wasserversorgung in Flamerscheid durch eigene Hausbrunnen, von denen heute noch einige Intakt sind
(Haus Nr. 13 und Nr. 38).
1897 wurde eine eigene Wasserversorgungsanlage gebaut. In der Feldflur “Ober Siepen”, rechts der heutigen Glüderstraße gelegen, wurde eine Quelle eingefaßt und ein Pumpenhäuschen gebaut. Die Wasserleitungen wurden durch die Gemeinde Witzhelden verlegt und waren am 30.12.1898 in den meisten Ortschaften abgeschlossen. Mit Zunahme der Einwohnerzahl reichte die Kapazität der Anlage bald nicht mehr aus, man entschloß sich dem Wasserversorgungsverein Witzhelden beizutreten, dies geschah am
28.10.1960.

Mitte der zwanziger Jahre erhielt Flamerscheid elektrisches Licht, wogegen Witzhelden bereits seit 1904 mit Elektrizität aus der Wersbacher Mühle versorgt wurde.

Landwirtschaft, Obstanbau und Heimarbeit

Durch Flamerscheid führte nur ein ausgefahrener Feldweg, d. h. es herrschten mehr als schlechte Straßenverhältnisse. Um dies zu ändern lud Bürgermeister Marquardt am 11.9.1923 die Grundbesitzer zu einer Besprechung ein. Es betraf die Abgabe von Grund und Boden für den Wegebau. Es waren alle einverstanden, wenn nur die Obstbäume geschont wurden, da der Obstanbau eine zusätzliche Erwerbsquelle war, das Obst wurde in den benachbarten Städten verkauft. Der Ausbau des Weges verzögerte sich noch bis Juni 1926 und erfolgte dann nur in einer Länge von 250 mtr., Breite ca. 5 meter einschl. Graben, Kosten hierfür 2849,50 RM.

Der Weg bestand nur aus einer ca. 3,5 mtr. breiten Schotterdecke, an beiden Seiten ein ca. halbmeter breiter Graben. Später wurde die Straße dann um 350 mtr. verlängert, etwa bis zur heutigen Tennisanlage. Die Kosten hierfür betrugen 4.227,-- RM. Ausgeführt wurden die Arbeiten von Fa. Pulvermacher.

Neben der Landwirtschaft und dem Obstanbau waren bis Anf. der 70ziger Jahre auch noch Schleifer in Heimarbeit für die Solinger Schneidwarenindustrie tätig. Ein Kotten ist heute noch in der ursprünglichen Bausubstanz erhalten, ein zweiter Kotten ist zwischenzeitlich vollständig umgebaut worden, jedoch an alter Stelle, es handelt sich um das Nebengebäude von Haus-Nr. 11. Direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite steht der äußerlich noch erhaltene Schleiferkotten, gehörend zu Haus-Nr. 14.

Heute ist Flamerscheid eine reine Wohnsiedlung, wozu auch der 1975/76 erbaute, 130 mtr. hohe Fernmeldeturm steht, im Volksmund “Rich” genannt – nach Richard Claasen, einem Witzheldener Original. Der Namen wurde in einem Wettbewerb zur 800-Jahr Feier 1984 ermittelt.
(Siehe hierzu Solinger Tageblatt vom 9.10.1984)

Schule Flamerscheid

Nicht unerwähnt darf die Schule Flamerscheid bleiben. Der erste Bauabschnitt erfolgte 1953, Kosten ca. 200.000,-- DM. 1959 wurde der zweite Bauabschnitt mit angegliederter Turnhalle abgeschlossen und am 9.6.1966 konnte beim dritten Abschnitt der Richtkranz hochgezogen werden.

Zu diesem Zeitpunkt gingen 238 Schüler in Flamerscheid zur Schule. Der neue Bau wurde am 18.11.1967 eingeweiht.

Im gleichen Jahr wurde aber auch durch den Kreis die Fusion mit der Leichlinger Hauptschule Büscherhof angeordnet. So wurde die Schule zweigeteilt, die Grundschule eigenständig in Witzhelden, die Hauptschule Zweigstelle der Hauptschule Büscherhof. Ab dem Schuljahr 1970/71 wurde die Zweigstelle geschlossen und alle Witzheldener Hauptschüler wurden nach Leichlingen zum Unterricht gefahren.

Gleich hinter der Schule liegt der ev. Kindergarten. Auch dieses Gelände zählt noch zum Gebiet Flamerscheid. In der Sitzung des Presbyteriums vom 1.10.1971 wird beschlossen einen neuen Kindergarten zu errichten. Baubeginn war am 1.10.1972 auf der Gelände der Kirche in Flamerscheid.

Zur Ortschaft Flamerscheid gehört natürlich auch der Sportplatz, mit Sporthalle und Tennisplatz. Der Sportplatz wurde bereits 1935 angelegt, jedoch war das Spielfeld um 90° zum jetzigen Feld versetzt angelegt. In den Jahren 1971, 1980 und 1999 wurde dann erweitert, um- und ausgebaut, so daß heute für den sportlichen Bedarf der Witzheldener ausreichend Deckung besteht.

Quelle: Land an Wupper und Rhein, Heimatkalender 1956

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