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Windfoche, eine bergische Idylle

Nicht weit von Witzhelden entfernt, hinter Richtershof, geht links eine Straße nach Windfoche ab. Die Ortschaft Windfoche liegt abseits am Waldesrand. Hier lebt man in einer ruhigen, bergischen Idylle inmitten der Natur.

Es gibt nicht viele Aufzeichnungen, in denen über diese kleine Ortschaft berichtet wird. Aber ein paar geschichtliche Daten wurden gefunden und es gibt auch über Windfoche etwas zu berichten.

Wann die Ortschaft entstanden ist, läßt sich nicht genau feststellen. Den Namen Windfoche kann man evtl. so darlegen: “Foche soll aus dem niederdeutschen Focke, wie z. B. Fockmast oder “Fauchen” entsprechen, eine treibende Kraft, etwas bewegendes, besonders den Wind bedeuten. Daher fände man das Wort häufig in Verbindungen mit Wind. – hier Windfoche.”Fachwerkidyll in der Windfoche

Solche Ortsnamen findet man bei Beyenburg, Lüttringhausen, Düsseldorf, als Flurnamen auch bei Elberfeld, Kettwig.

Windfoche war eine alte Flurbezeichnung zum Hofgericht Eichen gehörig.

Der Hof in Windfoche besteht jedenfalls schon vor 1638, denn im Verzeichnis der Hofgüter von 1670 heißt es, daß Johann, Sohn des Schneiders auf der Windfochen nach dem Tode des Vaters 1638 die Churmud (Abgabe) getätigt und 1645 das Lehen erhalten hat. Nach dem Tode von Johann 1669 erhielt sein Schwager Claus dieses Lehen.

Windfoche gehörte zum Hofgericht Eichen

Genau wie Windfoche, gehörten auch Ober- und Unterwietsche zum Hofgericht Eichen. Und mit diesen beiden Höfen waren die Menschen von Windfoche eng verbunden.

Am 11.6.1651 heiratete Stephan Grossjohann eine Tochter, Ödelgen, Pitter Vassbenders auf der Windfoche im Kirspel Witzhelden.
Wie es bei der nahen Lage der Windfoche zur Oberwietsche nicht anders denkbar ist, bestanden damals enge nachbarliche und verwandtschaftliche Beziehungen zwischen diesen beiden Orten. So hatte ein Johann Berger aus Oberwietsche, genannt der Berger-Jan, eine Schwester des Stephan Grossjohann geheiratet. Dieser Berger-Jan war der Sohn des in Oberwietsche wohnenden und gewiß wohlhabenden Paulus Berger, der aus Remscheid stammen dürfte und ein Onkel des Burscheider Pfarrers war. Seine Schwester war die Frau des Witzheldener Pastors Johann Wilhelm Thamerus. Sein Domizil, die Oberwietsche hieß damals auch die Pechs-Wietsche nach einem dortigen Einwohner, im Gegensatz zur Hachs-Wietsche, der Unterwietsche.

Pitter Vassbender, der also als Familienvater 1651 auf der Windfoche genannt wird, trägt einen Namen, der damals nicht selten war, wie er es auch heute noch nicht ist. Die Familie, zu der er gehört, war damals schon weit verbreitet im Burscheider und den benachbarten Kirchspielen. Von 1654 bis 1659 wohnte ein Heinrich Vassbender in der Wietsche und dessen Bruder Dietrich auf dem Dohm. In Kresberg aber lebte offensichtlich ein naher Verwandter, vermutlich ein Bruder unseres Pitter von der Windfoche, denn dieser, Heinrich Vassbender mit Namen, war verheiratet mit einer Frau, die ebenfalls “Ödelgen” hieß und so zweifellos die Patentante unserer oben genannten Braut vom 11.6.1651 war. Ein Sohn dieses Heinrich Vassbender, Stephan mit Vornamen, heiratete zurdem 1659 die Tochter eines Paulus, der zu Krähwinkel lebte.

Leider bleibt es bei dieser einmaligen Erwähnung der Familie Vassbender auf der Windfoche in dieser frühen Zeit. Erst 1658 hören wir wieder von der Windfoche, aber da handelt es sich um andere Personen. Bei einer Taufe in Ösinghausen tritt eine Gode, d.h. Patentante, in Erscheinung, die “Treingen” heißt, was die Koseform von Cathrinchen bedeuten soll. Sie ist genannt als des “seligen Schwidders Tochter auf der Windfoche”. Dieser Schwidder (=Suitbertus), war also bereits verstorben. Es liegt nun nahe, in ihm den Vater des zuerst erwähnten Pitter Vassbender zu suchen, doch dürfte es sich bei diesem Schwidder um einen Mann handeln, der in der Wietsche gelebt hat und dessen Tochter Trinchen an der Windfoche lebte.

Vielleicht war sie schon ein Glied der Familie, die nun nämlich auf der Windfoche auftaucht. Von 1661 bis zum Ende des Burscheider Kirchenbuches 1666 finden wir dort einen Niclas wohnen, der augenscheinlich der Familiensenior ist, und dessen Sohn (oder Schwiegersohn) Johann, auch Jan genannt, 1661 schon verheiratet ist. Um 1663 heiratet dann noch ein Sohn dieses Niclas namens Peter eine Hilgen Henke aus der Wietsche, deren erster Sohn 1664 in der Wietsche geboren wird, während ihr zweiter auf dem Büchel in das Leben tritt. Aber auch hier auf dem Büchel heißt der Taufvater noch “Peter von der Windfoche”.

Wir haben hier also den damals noch alltäglichen Zustand, dass die Personen keinen Familiennamen besitzen, mindestens von ihm keinen Gebrauch machten. Die Nennung des Vornamens in Verbindung mit dem Wohnort genügte vollauf zur Fixierung der Persönlichkeit. Da in der Familie Vassbender, die zuerst genannt wurde, zur damaligen Zeit der Gebrauch des Familiennamens bereits feststehend zu sein scheint, sollte man annehmen, dass also in den Jahren zwischen 1651 und 1661 der Besitzer des Hofs Windfoche gewechselt haben dürfte.

Am 28.12.1702 wird Heinrich Dabringhausen als Eigentümer genannt. Als Nachkommen sind drei Töchter und ein Sohn, Johannes, bekannt. Der Sohn übernimmt den elterlichen Hof. Aus den Jahren 1752 und 1753 sind die Zahlungen an die Jülich-Bergische Hofkammer zu Düsseldorf bekannt:

1752
“ahn Korn 1 Malter 2 Mass ¼ Metz.”Fachwerkhausidylle in der Ortschaft Windfoche
“ahn Haber 3 Malter 1 Mass 1 ½ Metz.”

1753
“zum May 1 Mark 3 Albus 2 Heller”
“zum Herbst 1 Mark 5 Albus 2 Heller”
“zum Lichtmess” 1 Mark 1 Albus 3 Heller”

Grenzstreitigkeiten

Im Jahre 1807 sitzt zwar die Familie Dabringhausen noch auf Windfoche, aber ein Junggeselle namens Caspar König lebt in der Nachbarschaft. Es kommt zu Grenzstreitigkeiten, wie aus alten Akten des früheren Bergischen Gerichts im Amt Miselohe zu ersehen ist. Da es in mancherlei Hinsicht ein interessantes Dokument ist, sei es im vollen Wortlaut wiedergegeben:

“Caspar König gegen Erben Dabringhausen betr. Grenzstreitigkeiten 1807.

Witzhelden auf der Windfoche, den 29.4.1807

Auf den von Caspar König übergebenen Bezug vom 13., welcher in diesem über die geschehene Abladung reproduziert wurde, hat man der nachgesuchten Occular-Inspektion der Ursachen nachgegeben, um sie von dem Werthe der Objecti ausführlich sowie von der Liegenheit der Sache zu überzeugen, um diese mit so vieler Animosität gefährten Rechtshändel niederzuschlagen. Bei der Ankunft auf der strittigen Grenze fand man den König mit dem Landmesser Peter Johannes Esser jun., die Gebrüder Heinrich, Johann und Johann Wilhelm Dabringhausen, sodann die Landmesser Johann und Johann Engelbert Mändeler, welches daher kommt, weil die Ladung blos an den Landmesser Mändeler zu Wermelskirchen ausgerichtet war und man von Ambts wegen nicht wusste, dass zwei Landmesser von gleichem Namen dort wohnen.

Von beiden Theilen wurde mit zur Handnehmung des Esserschen Planes vom 27. Januar die strittige Grenze angewiesen, welche Ziehung man zwar ganz richtig fand, nur fiel bei dem im Plan mit Nr. 5 bezeichneten Steine der Zweifel auf, ob dieser Stein, welcher zwar beiderseits für einen Grenzstein anerkannt wurde, bloß die aneinander grenzenden Stücke der Erben Joh. Jakob Ernst und der Witwe Bohmers Land, welcher Rechte Carspar König als Bevollmächtigter vertritt, oder auch seiner Richtung nach den Stücke dieser Witwe und das dahinter liegende Stück der Erben Dabringhausen scheide, ab also dieser Stein, was nembliche ist, auf die Steine 6.7 oder 3.4 zeige.

Der Zwischenraum oder Inhalt zwischen den Steinen 2.5 u. 3 hält 1 Ruthe 6 Schuhe ist also eigentlich der Gegenstand des Prozesses. Diesen ließ man durch die zugegenen Scheffen mit den daraufstehenden Kirschbäumen taxieren. Diese schlugen der Grund zu 55 Albus und die 3 Kirschbäume zu 7 Rthl. an. Der Gegenstand des Prozesses ist als 7 Rthl. 55 Alb.

Bei diesem Befund hat man von Ambtswegen den Unwillen nicht verbergen können, dass zwei solche nahe Nachbarn sich über solcher Kleinigkeit verfeinden und in Prozeß verwickeln, wodurch die häuslichen Geschäfte und Ruhe leiden müssen nebst dem dass sie schon in diesem Augenblick mehr Kosten angelegt haben, als der unbedeutende Gegenstand des Prozesses betrifft.

Es werden daher Vergleichsvorschläge gemacht und zwar:

1) dass Erben Dabringhausen dem Caspar König den in frage stehenden Platz abstehen und die Landmesser den Stein Nr. 5 ausheben und zu mehrerer Berichtigung in die Linie 2.3 und 4 hinsetzen sollen und zwar zwischen 2 und 3.

2.) die am betr. Platz stehenden 3 Kirschbäume sollen Erben Dabringhausen künftigen Herbst forthauen und das Holz für sich behalten. Auch sollen diese gehalten sein, den hinter der Scheuer im Garten stehenden Nussbaum, welcher für die Zukunft Anlass zum Streit geben könnte, gleichfalls künftigen Herbst fortzuhauen.

3.) Caspar König zahlt für die heutigen Kosten allein, die übrigen werden gegeneinander aufgerechnet, und zahlt gedachter König dem Erben Dabringhausen für vorgemelten Abstand ein für alle mal die Summe von 3 ½ Caroli oder 14...(?)

4.) sind mit diesem Vergleich alle wechselseitigen Ansprüche und Differenzen aufgehoben und soll statt der bisher bestandenen Feindschaft nachbarlich Freundschaft für nun und ewig eintreten und bestehen.

Diese Vergleichsbedingungen wurden nach mehrmaliger Vorlesung und Auslegung beiderseits angenommen und zur Bestätigung allerseits unterschrieben.

Eigenhändiges + Zeichen des Caspar König, welches bezeugt P.J. Esser
Johann Dabringhausen
Heinrich Dabringhausen
Johann Wilhelm Dabringhausen
In fidem Deyks”

 

 

Schon damals wurde wegen einem kleinen Fleckchen Erde von wenigen Quadratmetern viel “Wind” entfacht. Es trafen sich vier Streitende mit drei Landmessern, vor denen einer versehentlich geladen wurde, weil er mit dem anderen Namensgleich ist, und dem hohen Gericht, bestehend aus mehreren würdigen Scheffen und dem ehrwürdigen und bekannten Rath Deyks an der Spitze.
Ein Vierteljahrhundert später finden wir den Namen Caspar König in Windfoche nicht mehr. Ob er aufgrund weiterer Streitigkeiten den Platz geräumt hat oder sein Aufgeben hatte andere Gründe – dies läßt sich nicht mehr feststellen.

Im Jahre 1829/30 finden sich im Urkataster die Namen der Familie Dabringhausen, Johann Heinrichs von Brachhausen und die Witwe Flocke zu Unterkrähwinkel als Eigentümer der Besitzungen in Windfoche.

Die Menschen auf Windfoche lebten von der Landwirtschaft und wie in Witzhelden üblich vom Weben, bezogen, bis zum Anschluß an die Wasserleitung, ihr Wasser aus vorhandenen Brunnen. Man nahm am Geschehen in der Gemeinde teil, so ist z. B. überliefert, dass zum Neubau des Kirchenschiffes der Witzheldener Kirche 1769 lt. Sammelbuch Johann Braches 18 Thaler, Witwe Dabringhausen 4 ½ Thaler, Henricus Ernst 10 Thaler und Henricus Pieklein 7 ½ Thaler gespendet wurde.

Vielmehr ist aus der kleinen Ortschaft am Rande des Waldes nicht zu berichten, vielleicht gibt es noch interessante Informationen über Windfoche. Falls dies der Fall sein sollte, würden wir uns (die Macher von witzhelden-web.de) über Anruf, E-Mail usw. freuen.

 

 

 

 

Quellen: Strassen und Ortschaften in Leichlingen; Windfoche – Eine geschichtliche Darstellung von Carl Strässer; Archiv Lore May

Copyright bei Archiv Lore May 03/2002
Zusammenstellung Helga Meisen, Heider Weg 31, 42799 Leichlingen –Witzhelden, Tel. : 02174/38424

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