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Küster Breidenbach “amtierte” am Ende des 19.Jahrhunderts. Er hatte die Aufgabe, die Glocken mit dem Seil zu führen, sie in der Glockenstube mit Oel zu versehen und Sonntag für Sonntag in der Kirche nach dem Rechten zu schauen.
Küster Breidenbach war Junggeselle. Er gestaltete sich das Leben nach seinem Stil. Als “Selbstversorger” drehte er Tag für Tag die Kartoffeln geschickt unter dem Küchenmesser, verstand aber auch “frauenhaft” mit Schruppsack und “Schöttelplaggen”(Spültuch) umzugehen.

Not macht erfinderisch

Im Alter stellten sich bei dem einsamen Menschen mancherlei Beschwerden ein. Seine Hände wurden steif und gichtig, was aber viel schlimmer für den “Einsiedler” war, sein Gehör wollte nicht mehr recht. Das bedrückte ihn sehr. Die tägliche Sorge, wie er im Dienst bleiben könne, steigerte sich zur Not. Und diese Not lehrte ihn nicht nur zu beten, sondern machte ihn auch erfinderisch.

Ein altes Erbstück hilft

Er baute sich einen großen Wecker mit einem lauten, durchdringenden Schlagwerk. An der Wand seiner Küstereinsiedelei hing nämlich eine Uhr mit buntem Zifferblatt und messingbeschlagenen, blank gescheuerten Gewichtssteinen, ein Erbstück seiner Eltern. Weil er sie täglich pflegte - er war abhängig von ihr - wusste er genau, wie viel Zeit der Gewichtsstein auf dem Weg bis zur Tischplatte benötigte. Er zog abends den Stein immer soweit hoch, dass er morgens um halb6 Uhr mit der Tischplatte in gleicher Höhe stand. Wenn nun der Gewichtsstein abends in seine Ausgangsstellung gebracht war, wurde der Tisch unter die Uhr gerückt. Auf die Kante des Tisches legte der Küster dann einen Stein, der früher das “Kappesdöppen”
( Kohl-Aufbewahrungs-Gefäß) beschwert hatte. Senkrecht darunter schob er seine Kehrichtschaufel.

Wecken mit Gepolter

Wenn dann morgens zur abgestimmten Zeit der Gewichtsstein der Uhr den Stein auf der Tischkante leise berührte, fiel er mit Wucht auf das Kehrblech. Von dem Gepolter erwachte der Küster, der sein Bett in demselben Zimmer aufgeschlagen hatte. Er wusste, dass jetzt “seine Stunde” gekommen war; schlüpfte in seine Arbeitshose, zog den blauen Kittel über den grauen Schopf, trat in die “Blotschen” (Holzschuhe), nahm den schweren Kirchenschlüssel vom Haken und “schlappte” zum Turm. Das Glockenseil, das seine schwieligen Fäuste umklammerten, übermittelte ihm die Schläge der Kirchenuhr, wenn sie die sechste Stunde des Tages ins Dorf rief. Pünktlich pflichtete der Küster jedesmal ihrer Meinung bei und zog das Seil zum Frühgeläute. So kam es, dass Breidenbach auch noch als tauber Küster gewissenhaft seinen Dienst versehen hat, bis ins hohe Alter.

Quelle: Fritz Hinrichs:”EinDorf bleibt sich treu”, Herausgeber: Stadtarchiv Leichlingen 1988.

In der Witzheldener Volksschule in Flamerscheid (heute Grundschule) war es bis in die 60er Jahre hinein Tradition, dass “I-Dötzchen”, d.h. neu eingeschulte Schülerinnen und Schüler, zum ersten Schultag natürlich von den Eltern eine gut gefüllte große Schultüte geschenkt bekamen, dass aber auch die Schule den Schulänfängern ein Geschenk machen wollte und das zugleich mit einer ersten Turnübung verband.

Auf einer großen Spielwiese, wo sich jetzt die Aula und der Parkplatz befinden, gab es ein großes Turngerüst mit einer Kletterstange. Dieses Gerüst war nun die erste Bewährungsprobe für die “I-Dötzchen”. Ganz oben an der Querstange war mit einem Seil eine große mit bunten Bändern geschmückte Brezel befestigt, wie man sie heute noch in Schloss Burg kaufen kann. Wenn man die Brezel haben wollte, musste man an der Kletterstange hinaufklettern, die Brezel lösen und dann mit dem Geschenk wieder die Stange hinunterrutschen.

Nun gab es natürlich bessere und schlechtere Kletterer.Wenn ein Kind die Kletterstange nicht ganz nach oben erklimmen konnte, so verringerte der Schulleiter oder eine andere Lehrkraft die Höhe der Brezel, die ja an einem Seil befestigt war. So begann für viele Erstklässler die Schulzeit oft mit einer Enttäuschung, wenn man die Brezel nicht selbst von der Stange herunter geholt hatte.

Wie zu allen Zeiten, so gab es auch damals in Witzhelden bessere und schlechtere Schüler. Da gab es auch einen, der schon im ersten Schuljahr größere Probleme in der Schule gehabt hatte und dann wiederholen musste. So war er dann beim Brezelklettern mal wieder an der Reihe, kletterte in schnellen Armzügen die Reckstange hinauf, löste die Brezel ab, rutschte an einem Stück die Stange hinunter, hielt ganz stolz die Brezel in der Hand und rief: “Das ist jetzt mein dritter!”

In den 20er Jahren hatte sich ein Witzheldener Bürger über die wenig ergiebige Arbeit des Völkerbundes (heute UN), sowie einige seiner Ansicht nach unsinnigen Beschlüsse, dermaßen erregt, dass er einen prall gefüllten Sack mit Stricken nach Genf schickte und die hohen Herren des Bundes der Völker auf derbe und drastische Art aufforderte, sich an diesen Stricken aufzuhängen. Die blauen Stricke wurden zurückgeschickt, der Absender blieb unbehelligt.

 

Der Witzheldener Gemeinderat in den 60er Jahren tagte oft sehr lang und die Diskussionen waren oft sehr heftig. Häufig kam man auch nicht zu einer Einigung und verschob die Entscheidung. Nach der Ratssitzung trafen sich alle Ratsmitglieder regelmäßig in der Gastwirtschaft “Zur Post”oder in der “Kaiserhalle”. Hier gingen die Diskussionen natürlich weiter. Nach ein paar Bier gab es neue Einsichten und auch ab und zu neue Koalitionen. Das politische Blatt änderte sich an der Theke. Einige Ratsmitglieder äußerten ganz offen: ”Die wichtigsten Entscheidungen wurden sowieso am Tresen getroffen!”

Just nach einer solchen Ratssitzung, die besonders turbulent verlaufen war, ergab sich die Situation, dass der Wirt um 1 Uhr auf das Ende des Ausschanks, auf die sog. Sperrstunde hinweisen musste. Nach dieser Uhrzeit durfte per Verordnung in den Gastwirtschaften des Höhendorfes kein Ausschank mehr betrieben werden. Nun waren die Ratsmitglieder gerade so in Fahrt und das Bier schmeckte auch recht gut, dass an den Gemeindedirektor Göckemeyer die Frage gerichtet wurde: “Mensch Otto, kannst du nicht die Sperrstunde verlängern?” Otto G öckemeyer überlegte ein wenig, aber dann nahm er einen Bierdeckel, schrieb etwas auf und überreichte ihn dem Wirt.

Auf dem Bierdeckel stand: “Hiermit verlängere ich die Sperrstunde von 1 Uhr auf 2 Uhr.
unterschrieben: Otto Göckemeyer (Gemeindedirektor)

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