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Die Ziege, die Kuh des armen Mannes, hat sich wie vielerorts auch in unserer bergischen Heimat schon früh wohlgefühlt. Ja, der neugierige Ziegenkopf über der bis zur Hälfte geöffneten Stalltüre und ein wedelnder Ziegenschwanz im baumbeschatteten Obstgarten gehörten in alter Zeit zu den Selbstverständlichkeiten eines bergischen Weilers.
Nach dem ersten Weltkriege vermehrten sich die Ziegen an der Niederwupper sehr stark, weil der Landrat die Ziegenzucht dadurch förderte, dass er die Schweizer Sahneziege einführte. Er wusste, dass die Zucht dieser Tiere nicht nur eine Futterangelegenheit war, sondern auch von guten Zuchtstämmen abhing.

Bockstation bei der “Böschmutter”

Deshalb richtete er die Ziegenzuchtstation Baumberg ein. Von hier aus verteilte er den guten Nachwuchs über seinen Kreis. In Witzhelden wurden damals auch einige Böcke abgestellt. Im Stalle der “Böschmutter” am Scharweg fanden sie gute Pflege. Nun trug es sich zu, dass sich der Herr Landrat eines Tages zur Körung in dem Bergdörflein anmeldete. Dem Bürgermeister lag viel daran, dass sein Vorgesetzter mit der Besichtigung zufrieden sei. Darum brachte er höchst persönlich die Order zur “Böschmutter”, als ihn sein Jagdweg über Scharweg in sein Revier an den Wupperbergen führte.

Und der Landrat erschien, wie angeordnet, mit seinem Stab.
Die Bockhalterin stand mit ihren Tieren vor der Kirche. Als nun der hohe Beamte die sauberen und gut genährten Böcke sah, freute er sich. Die brave Frau hatte ein Lob verdient. Es wurde ihr mit den anerkennendsten Worten gespendet. Aber sonderbar, das Mütterchen, das immer noch still und bescheiden neben ihren Tieren stand, schien von dem Lobgesang keine Notiz zu nehmen. Da schaltete sich der Bürgermeister ein. Er unterrichtete seinen Vorgesetzten, dass die Frau schwerhörig sei. Dadurch stieg sie noch mehr in der Achtung des Landrates, denn er litt selbst an Schwerhörigkeit. Er wiederholte seinen Lobreim mit vollem Stimm-Manual. Dabei flocht er die Frage ein: “Sie scheinen mich wohl nicht zu kennen? Ich bin der Landrat des Kreises!” Die letzten Akkorde des Gesanges brachten das Trommelfell der Alten nun doch leise zum Schwingen. In ihrem gutmütigen Runzelgesicht leuchtete es auf. Noch nie im Leben war ihr die hohe Ehre zuteil geworden, von einem hohen Beamten angeredet, viel weniger gelobt zu werden. Sie gab ihrem Herzen einen Stoß und erwiderte prompt: ”Aha, dann sieht Ihr wall der Böweschte vann dänn Böcken?” (Aha, dann seid Ihr wohl der Oberste von den Böcken)
Diese kindlich gläubige Frage zerschlug dem redegewandten Landrat die Stimme. Er soll gelacht haben, wie lange nicht. Seine Untergebenen pflichteten ihm bei.

Quelle: Fritz Hinrichs:”EinDorf bleibr sich treu”, Herausgeber: Stadtarchiv Leichlingen 1988.

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